Field Guide Level 1 Südliches Afrika – Tom

Field Guide-Training in Afrika: In seinem Erfahrungsbericht schildert Tom detailreich sein grandiose Zeit als Field Guide Level 1-Student im südlichen Afrika.

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Tom
Erfah­rungs­be­richte
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Hi, ich bin Tom. Ich bin 19 Jahre alt und komme ursprünglich aus Heidelberg. Ich habe schon seit einigen Jahren einen besonderen Bezug zu Afrika, da mein Vater eine Lodge im Westen Sambias betreibt. Nach Vollenden meines Abiturs wollte ich mir erst mal eine Auszeit vom Lernen nehmen und bin auf Natucate gestoßen. Als ich vom Field Guide Kurs gehört habe, war mir sofort klar – den muss ich machen.

Das Abenteuer beginnt

Obwohl ich zuvor schon einige Male in Afrika gewesen bin, war ich in den Wochen vor der Reise ziemlich aufgeregt und hatte sogar ein klein wenig Angst. Gleichzeitig hatte ich natürlich auch große Vorfreude. Natucate hat mir bereits vor der Reise mit der Vorbereitung und jeglichen offenen Fragen geholfen. Die Zeit bis zum Abreisetag verging im Nachhinein wie im Flug und plötzlich stand ich dann in Johannesburg. Daniel, von Natucate, hatte bereits im Vorhinein eine WhatsApp Gruppe, mit allen Teilnehmern die über ihn gebucht haben, erstellt. Die Gruppe war vor allem in Johannesburg supernützlich, um sich kurzzuschließen, und alle anderen persönlich kennenzulernen. Am nächsten Tag fing das Abenteuer dann an. Vom Guest House ging es in 2 Minibussen nach Pridelands, unser erstes Camp. Die Busfahrt dauerte einige Stunden aber unsere Fahrer waren sehr offen und haben uns ununterbrochen mit nützlichen Informationen und Geschichten über Südafrika versorgt. In Pridelands stand dann zum ersten Mal die gesamte Gruppe zusammen. Sie bestand aus einer bunten Mischung von Deutschen, Kanadiern, Niederländern, Südafrikanern….

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Das erste Camp: Pridelands

Der Aufenthalt in unserem ersten Camp war sehr schön. Pridelands ist das neuste Camp von Ecotraining und ist relativ klein gehalten. Es hat dadurch eine sehr persönliche Atmosphäre. Außerdem hat man das Privileg, das Reserve fast komplett für sich selbst zu haben, da zumindest zur Zeit meines Aufenthalts dort kein Tourismus betrieben wurde. Gerade deswegen hat sich Pridelands als erste Destination gut angeboten, da die wenigsten mit dem Busch vertraut waren. Man konnte sich also in Ruhe ans Autofahren und die ersten Grundlagen des Guidens gewöhnen ohne echte Gäste um sich herum zu haben. Wir waren dort für eine knappe Woche. Zwar haben wir nicht allzu viele verschiedene Tiere gesehen, aber dafür wunderschöne Elefantensichtungen gehabt. Direkt neben dem Camp ist ein großes Wasserloch, in dem sich Elefanten regelmäßig erfrischen. Auch vogelmäßig gab es einiges zu sehen.

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Das zweite Camp: Karongwe

Nach Pridelands ging es dann per Minibus weiter in unser zweites Camp – Karongwe. Karongwe ist deutlich größer als Pridelands. Auch die Zelte sind viel geräumiger. Nach unserer ersten Woche in Pridelands hatten wir uns alle an den Alltag im Busch gewöhnt, den wir in Karongwe fortsetzten. Man stand um 6:20 Uhr auf (zumindest in den ersten Wochen, in den letzten Wochen haben die meisten bis 6:45 Uhr geschlafen) um gegen 6:30 Uhr ein warmes Getränk und einen kleinen Snack zu essen. Um 7 Uhr ging es dann auf Safari, entweder mit dem Auto oder zu Fuß. Nach der morgendlichen Aktivität kam man gegen 9:30 Uhr zurück ins Camp, wo es dann ‚cooked breakfast‘ gab. Nachdem wir über die Mittagsstunden etwas entspannen konnten, fanden auch Theorieblöcke statt. Die Unterrichtseinheiten, die meist nicht länger als 1-2 Stunden dauerten, fand ich sehr interessant. Wir nahmen unterschiedlichste Themengebiete durch, die von Geologie über Astronomie, Ökologie, Tiere und Kultur und vieles mehr reichten. Neben den Theoriestunden haben wir allerdings auch einige Praxiseinheiten im Spurenlesen, Astronomie und Mechanik bekommen. Nach dem Mittagessen ging es dann relativ bald auf unsere Nachmittagsaktivität. Diese bestand erneut aus entweder Safari Walks oder Safarifahrten. Gegen Abend, meist zwischen 19:00-19:30 Uhr, kehrte man von der Safari zurück ins Camp und aß gemeinsam zu Abend. Nach dem Essen gab es dann noch Briefings für den nächsten Tagesplan. Nach dem Abendessen saß man an den meisten Tagen noch etwas am Lagerfeuer und hat gemeinsam ein paar Bier oder andere Getränke getrunken.

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Sleepout in Karongwe: Die Wildnis bei Nacht

Gegen Ende unseres Aufenthalts in Karongwe hatten unsere Instructors einen Sleepout geplant. Bei einem Sleepout verbringt man, wie der Name bereits andeutet, eine Nacht mitten im Busch, ohne Zelt oder sonstiger Unterbringung. Das Ganze wird sehr minimalistisch gehalten, was mir sehr gefallen hat. Wir gingen in zwei Gruppen an unterschiedliche Stellen des Reservates und verbrachten dort den Abend und die Nacht. Natürlich waren unsere Instructors sicherheitshalber bewaffnet und wir haben in Zweiergruppen stündlich Nachtwache gehalten. Noch nie zuvor hatte ich ohne Zelt unter freiem Himmel geschlafen, vor allem nicht mitten im afrikanischen Busch zwischen Löwen, Elefanten und Nashörnern. Es war ein einzigartiges Erlebnis. Die Geräusche der Nacht zu hören und auf dem noch warmen Felsen zu liegen und die Sterne anzuschauen war sehr eindrucksvoll und einprägend. Nachdem wir am nächsten Morgen alles zusammengepackt hatten, stellten wir sicher, dass alles genauso aussah wie wir es aufgefunden hatten.
Ich war sehr erstaunt, wie viel man bereits im ersten Abschnitt der Ausbildung lernte. Wir konnten innerhalb weniger Wochen nützliche Informationen über die meisten Tiere, Pflanzen und sogar Landschaftsstrukturen erzählen und verstanden auch das Zusammenspiel verschiedenster Lebewesen mit ihren Lebensräumen und anderen Tieren – das hätte ich im Vorfeld nie erwartet. Aber auch der Aufenthalt in Karongwe, und damit der südafrikanische Teil der Ausbildung, ging schließlich vorbei.

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Das dritte Camp: Mashatu

Das letzte Camp war Mashatu – wofür wir in den westlichsten Teil Botswanas, den Tuli Block reisten. Nach einer mehrstündigen Busfahrt kamen wir nachmittags an der Grenzkontrolle an, wo uns schon unsere neuen Instructors begrüßten. Der Prozess zog sich etwas, aber nachdem jeder immigriert war, fuhren wir in Game Drive-Autos (Safariautos) Richtung Camp. Die Vegetation in Botswana war atemberaubend. Es ging durch weite offene Buschländer. Oft ragten große rötlich gefärbte Felsformationen heraus, die einem ins Auge sprangen. Als wir gegen Abend in Mashatu ankamen, gab es Abendessen und die neuen Instructors haben sich vorgestellt. Das Camp befand sich direkt am trockenen Flussbett des Motloutse Flusses. Für mich war es mit Abstand das schönste Camp, obwohl die Zelte deutlich kleiner als in Karongwe waren und wir auf Isomatten schlafen mussten. Durch die ungewohnte Umgebung haben wir ein paar Tage gebraucht, um uns mit den neuen Pflanzen und Tierarten vertraut zu machen.

Lernen, lernen, lernen

Da die Prüfungen langsam näher rückten, stieg auch die Anspannung in uns. Inzwischen hatten wir volle Verantwortung auf unseren Safaris Drives. Wir wiesen unsere Gäste, die von Mitschülern gespielt wurden, ein, putzen und prüften das Auto, kümmerten uns um Snacks und Getränke und planten unsere Fahrten. Gleichzeitig lernten wir mittags für die Theorieprüfung und bereiteten uns auf die Vogelstimmen-Prüfung vor. Das hört sich jetzt superstressig an, im Nachhinein war es allerdings sehr überschaubar, sofern man den Stoff von Anfang an etwas wiederholt hat. Man hatte genug Freizeit, um Volleyball zu spielen, ein Work-out zu machen oder einfach nur zu relaxen. Bereits einige Tage vor den Prüfungen lernten wir unsere Prüfer kennen. Beide waren sehr kenntnisreich und sympathisch. Als dann schließlich die Prüfungen anstanden und die Aufregung stieg, wurde tagsüber und teilweise abends viel gebüffelt.

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Prüfungszeit

Die Theorieprüfung, die als erstes anstand, war machbar – es wurde nur das abgefragt, was uns beigebracht wurde. Auch die Vogelstimmen- und Froschstimmen-Prüfungen waren fair. Zuletzt standen dann noch die praktischen Prüfungen an, für die wir einen kompletten 2-stündigen Gamedrive (Safari) gestalten mussten. Wir konnten uns aussuchen, wie viele Mitschüler auf unser Auto kamen. Die meisten haben sich untereinander abgesprochen, nach welchen speziellen Interessen gefragt werden soll, damit man während seiner Fahrt punkten kann. Mein Lieblingsgebiet waren Vögel, weswegen dann auch einer meiner „Gäste“ nach Vögeln gefragt hat. Die Prüfer hatten allerdings auch die Möglichkeit, nach einem Themengebiet zu fragen, auf das man während seiner Fahrt eingehen musste. Meine Prüfung verlief trotz großer Aufregung gut. Ich fuhr meine geplante Route, an der wir Schabrackenschakale, etliche Vögel, Antilopen und sogar einen Elefantenstoßzahn gesehen haben. Während der Pause, in der ich Kaffee mit Schuss, Tee und Kaltgetränke sowie einige Snacks anbot, stellte mir mein Prüfer einige Fragen über Kultur, Geologie und Naturschutz. Da ich mich allerdings darauf vorbereitet hatte, konnte ich das Meiste beantworten, obwohl ich von Kultur fast gar keine Ahnung hatte. Am Ende der Fahrt hat mir mein Prüfer mitgeteilt, dass ich bestanden habe.

Abenteuer und Abschied: Die letzten Tage im Busch

Die folgenden Tage waren dann sehr entspannt. Ich nahm auf den Prüfungsfahrten als Gast teil und genoss die letzten Tage im Busch, bevor es dann wieder Richtung Heimat ging. Am vorletzten Abend gab es allerdings noch ein letztes Highlight. Unsere Prüfer und Instructors hatten einen Sleepout geplant. Dafür fuhren wir einige Kilometer durch das riesige Reservat, bis wir dann schließlich auf einem großen Hügel anhielten und unser Camp aufbauten. Der Platz war atemberaubend. Man konnte kilometerweit nur afrikanischen Busch sehen. Abends machten wir Stockbrot und unsere Prüfer erzählten tolle Lagerfeuergeschichten von Afrika und Mythen. Die Nacht war sehr ruhig. Am nächsten Morgen kehrten wir zurück ins Camp, um unsere Sachen zusammenzupacken, da am darauffolgenden Morgen unsere Abreise anstand. Wir fuhren wieder in Safariautos Richtung Grenzkontrolle; auf der Fahrt haben wir Spuren eines Schuppentiers (Pangolin) gesehen, was nicht oft vorkommt. Nach der Grenzkontrolle verabschiedeten wir uns von unseren Prüfern und Instructors und stiegen in die altbekannten Minibusse ein, in denen es dann zurück nach Johannesburg ins Guest House ging. Am nächsten, für mich letzten Abend, sind wir in eine Mall gegangen, in der alle verbliebenen, nun ausgebildeten Guides, das letzte Mal zusammen aßen. Am Morgen darauf verabschiedete ich mich von allen und beendete damit mein Abenteuer.

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Meine Zeit in Afrika: Rückblick

Rückblickend sind die 90 Tage im Busch viel mehr als eine Ausbildung. Ich hatte eine supercoole Zeit im Busch, in einer Form, die man auf keiner Safarireise finden würde. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, sowohl die kenntnisreichen Instructors, meine Mitschüler und die Angestellten der Camps. Es ist erstaunlich, wie viel man in ein paar wenigen Monaten lernen kann. Man entwickelt Interessen für Dinge, die man vorher immer übersehen hat. Ich, zum Beispiel, habe angefangen Vögel zu beobachten. Das mache ich inzwischen auch in Deutschland und allen anderen Ländern, in die ich komme.

Falls du die Möglichkeit hast, dich für die Field Guide Level 1-Ausbildung anzumelden, kann ich dir nur empfehlen das zu tun. Du wirst es nicht bereuen :D

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