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Freiwil­li­gen­ar­beit Costa Rica Schild­krö­ten­schutz – Seraina

Seraina hat 6 Wochen in Costa Rica verbracht und sich hier als Freiwilligenhelferin dem Schildkrötenschutz gewidmet. Lese mehr über ihre Erfahrung.

Aussicht über das Meer mit Blick auf die Küste und den Regenwald von Costa Rica
Erfah­rungs­be­richte
Ein Gruppenfoto der Freiwilligenhelfer am Strand von Costa Rica

Steckbrief

Name: Seraina

Alter: 19

Projekt: Freiwilligenarbeit in Costa Rica – Schutz gefährdeter Meeresschildkröten

Einsatzort: Pacuare in Costa Rica

Zeitraum: Anfang März bis Mitte April 2022 – 6 Wochen

Bewertung

Betreuung durch das NATUCATE-Team:

Anreise:

Partner vor Ort:

Unterkunft:

Freiwilligenarbeit in Costa Rica – Feedback: 7 Fragen an Seraina

1) Könntest Du uns einen kurzen Überblick über Deine Tätigkeiten im Projekt geben?

Im Projekt geht es um den Schutz von verschiedenen Meeresschildkröten. Je nach Zeitpunkt, an dem Du dort bist, wirst Du unterschiedliche Arbeiten haben. Die Hauptaufgabe wird jedoch zu jedem Zeitpunkt Nachtpatrouillen sein. Dabei läuft man in der Nacht den Strand entlang (10 km und ca. 4 Stunden) und sucht nach Schildkröten. Der Sinn von Nachtpatrouillen ist es, Nester vor Wilderer zu finden und diese in der Brutstation (Hatchery) umzusiedeln. Dabei erhebt man zusätzlich Daten über die Schildkröte und das Nest, wie zum Beispiel die Größe des Tieres und Nestes, die Anzahl Eier, Verletzungen an der Schildkröte, Lage des Nestes etc.

Die von den Freiwilligenhelfern fertig aufgebaute Brutstation Hatchery zum Schildkrötenschutz

Da ich zu Beginn der Nestsaison am Projekt teilgenommen habe, mussten wir die Hatchery noch bauen. Die Hatchery ist dazu da, alle Nester an einem Ort sicherstellen zu können und sie somit vor Wilderer zu schützen. Dafür mussten wir ganz viel Sand schaufeln, einen Zaun bauen, Nestplätze einrichten usw. Diese Arbeit war körperlich auch am anstrengendsten.

Sobald die Hatchery gebaut ist, kommt eine weitere Hauptaufgabe, nämlich die Hatchery Duty, dazu. Die Brutstation muss Tag und Nacht von uns bewacht werden, damit weder Wilderer noch Tiere in die Brutstation gelangen.

Sobald die ersten Jungen schlüpfen, werden die kleinen Schildkröten gewogen, gezählt, ins Meer entlassen und die hinterlassenen Eierschalen analysiert. Neben diesen drei Hauptaufgaben stehen noch kleinere Tätigkeiten, wie Beach Clean Ups, Malen von Gebäuden oder die Reinigung von Equipment, an.

Ein ruhiges Gewässer schlägt sanfte Wellen an einem bewölkten Tag

2) Was war/en die größte/n Herausforderung/en für Dich während des Projekts?

Eine der Herausforderungen ist definitiv das simple Leben und alles was damit kommt. Es ist eine große Umstellung von westlichen Standards zu zentralamerikanischen Verhältnissen einer kleinen Forschungsstation mitten im Regenwald und diese Umstellung sollte man nicht unterschätzen. Die Unterkunft ist sehr simpel und entsprechend einfach sind die Sanitäranlagen. Für viele war es die größte Herausforderung, sich diesem anderen Lebensstil anzupassen. Ich habe es aber (meistens) sehr genossen und fand es eine super Erfahrung.

Eine weitere Herausforderung ist der Schlafmangel. Da man meistens in der Nacht arbeitet, wird die Nacht relativ kurz und vor allem mit Kombination von Sand schaufeln beim Hatcherybau kommt die Erholung kurz. Man sollte also mit Müdigkeit bzw. Schlafmangel auskommen können.

Freiwilligenarbeit: Schildkrötenschutz bei Nacht mit Rotlicht-Lampe

3) Gab es etwas, was Dir besonders gut gefallen hat? Oder etwas, was Du besonders negativ in Erinnerung hast?

Was Seraina besonders gut gefallen hat

Ich habe eigentlich fast alles am Projekt geliebt. Die abgelegene Lage der Forschungsstation inmitten des Regenwaldes ist einmalig und die Natur in der Umgebung beeindruckend. Ich fand es eine sehr tolle Erfahrung, so abgelegen und so simpel leben zu können. Es war großartig, so abgeschnitten vom Rest der Welt zu sein und in seiner eigenen kleinen Blase ohne Luxus, soziale Medien oder Alltagsstress leben zu können. Man vergisst jegliche Probleme von zu Hause und kann einfach mal im Moment leben. Die perfekte Gelegenheit, um wirklich herunterzukommen und die Seele baumeln zu lassen.

Ein weiteres Highlight war natürlich die Arbeit mit den Schildkröten. Die Größe, das Aussehen und die Art wie sie sich bewegen waren einfach beeindruckend und ich denke, man findet wenige Tiere, die einen so an ein Dinosaurier erinnern wie die Lederschildkröte. Die erste Lederschildkröte zu sehen und das erste Nest sicherzustellen war ein tolles Erlebnis!

Durch die Arbeit selbst und die Abgelegenheit des Projektes lernt man die anderen Leute sehr schnell und gut kennen. Man hat viel Zeit sich mit vielen anderen auszutauschen, über Gott und die Welt zu reden und einfach zusammen eine tolle Zeit zu haben, definitiv ein Highlight der Zeit dort!

Was Seraina negativ in Erinnerung hat und Tipps für Dich

Was mir nicht so gefallen hat, waren die Mücken. Durch die Kombination von einem feuchten, warmen Klima und den Flusskanälen rundherum, hat es wirklich sehr sehr viele Mücken und Sandfliegen gegeben. Ab der Dämmerung kommen die Moskitos raus und am Strand ist man weder morgens noch abends sicher vor Sandfliegen. Ohne lange Hosen bzw. langärmlige Oberteile auf Nachtpatrouillen und Moskitonetze für das Bett ist man verloren.

4) Hattest Du bestimmte Erwartungen bevor Du zum Projekt gereist bist? Wenn ja, wurden Deine Erwartungen erfüllt, enttäuscht oder vielleicht übertroffen?

Klar, ich denke, jeder stellt sich vor, wie die Zeit denn so sein wird. Meine Erwartungen wurden definitiv übertroffen. Das Staff war wirklich sehr herzlich und auch mit den meisten Volunteers hatte ich eine super Zeit. Die Natur ist beeindruckend und durch die Abgelegenheit war die Zeit im Projekt ein reines Abenteuer!

Serainas Erfahrung mit Wilderern

Ich denke, was die Wilderer angeht, hatte ich definitiv andere Erwartungen. Die Wilderer tun eigentlich dasselbe wie wir: Sie patrouillieren in der Nacht denselben Strand ab und suchen nach Schildkröten. Das heißt also, dass man täglich mit den Wilderern konfrontiert wird. Man begegnet ihnen oft auf den Patrouillen und muss zusehen, wie sie eventuell vor Dir eine Schildkröte finden und das Nest kriegen. Das ist sehr frustrierend!

Ich hätte nicht erwartet, dass man den Wilderern so oft begegnet und das war anfangs ehrlich gesagt auch ein wenig angsteinflößend. Man muss aber auch sagen, dass die Wilderer nicht gefährlich sind. Meistens sind es sehr arme Menschen, die durch das Verkaufen der Schildkröteneier versuchen, ihr Leben und das ihrer Familie zu finanzieren.

Jedoch sollte man sich bewusst sein, dass man mit Wilderer und vor allem mit der Frustration von gewilderten Nester oder getöteten Schildkröten auskommen muss. Es ist wirklich traurig anzusehen, wie Nester oder auch Schildkröten vor den eigenen Augen gestohlen werden.

Aussicht über das Meer mit Blick auf die Küste und den Regenwald von Costa Rica
Ein kleiner Affe kletter weit oben in einem Baum in Costa Rica
Die abgelegene Lage der Forschungsstation inmitten des Regenwaldes ist einmalig

5) Hast Du in Deiner freien Zeit etwas unternommen, was Du auch zukünftigen Teilnehmern empfehlen kannst?

Die Station ist ziemlich im Nirgendwo, sodass man in seiner Freizeit die Station und dessen Umgebung nicht verlassen kann. Wir haben in unserer Freizeit sehr viele Spiele gespielt, geredet, gelesen und den Strand und die Sonne genossen. Es gibt einen „Wanderweg“ im Regenwald neben dem Strand, den wir oft entlang gelaufen sind, um die schöne Umgebung zu genießen. Mit etwas Glück und Geduld kann man auch viele Tiere beobachten.

Für meinen Geburtstag hat das Team ein improvisiertes Beachvolleyballfeld aufgebaut und das wurde dann ein wenig zu unserer Tradition. Wir haben fast täglich Beachvolleyball gespielt, was sehr cool war! Einmal haben wir auch ein Fußballspiel mit ein paar Locals organisiert.

Eine unique Unterkunft mitten im Regenwald

6) Welche Tipps/Empfehlungen würdest Du anderen Teilnehmern geben, die das Projekt machen wollen?

Also, nehmt definitiv nicht zu viele Kleider mit, vor allem nicht mit eher dickem Stoff, wie z.B Jeans. Es ist einfacher eine kleine Menge an Kleider von Hand zu waschen und da im Regenwald nichts richtig trocknet, lieber leichte Kleidung mitnehmen. Was aber nicht schadet, ist ein oder zwei luftige langärmlige Oberteile, für die Abende. Es kann doch manchmal windig und kühl werden.

Die Mücken sind wirklich schlimm, meine Beine waren nach wenigen Tagen voller Stiche. Viele hatten leichte Antihistamine dabei, um sich vom Juckreiz nicht in den Wahnsinn treiben zu lassen oder sich in der Nacht nicht aufzukratzen und ich wünschte, ich hätte auch welche dabei gehabt.

Während ich im Projekt war, waren die Solarpanels kaputt. Wir hatten somit keine Elektrizität und auch keine Möglichkeit unser Handy oder andere Geräte aufzuladen. Am besten nehmt ihr also eine gute Solarpowerbank mit, die ihr dort in der Sonne aufladen könnt. Eine wasserfeste Tasche oder Hülle schadet definitiv auch nicht und Kartenspiele werden von allen begrüßt :)

Die Geräuschkulisse im Regenwald ist beeindruckend, meistens im positiven Sinne, außer eben in der Nacht. Nach einer langen Nachtpatrouille will man eigentlich nur ins Bett und in Ruhe schlafen. Und dann gibt es ein paar tolle Zikaden, die einfach nicht aufhören zu zirpen. Die können einem wirklich ganz schön auf die Nerven gehen. Was auch Deinen Schlaf stören kann, sind beispielsweise andere Mitbewohner/-innen, die zu anderen Zeiten zurück ins Zimmer kommen, da sie zu einer anderen Zeit auf Nachtpatrouille waren. Am besten nehmt ihr also Ohrstöpsel mit, um ein paar Stunden guten Schlaf genießen zu können.

7) Kannst Du einschätzen, wie viele Kosten Du vor Ort noch zusätzlich hattest?

Sehr wenig, es gibt fast keine Möglichkeiten, Geld auszugeben. Eine der Locals verkauft ein paar wenige Snacks in ihrem Haus, die bei allen sehr beliebt sind, da alle gerne vor oder während der Nachtpatrouille einen kleinen Snack gegessen haben. Außerdem werden auf der Station T-Shirts und Schmuck verkauft für 20 Dollars. Sonst habe ich nur Geld gebraucht, um aus dem Projekt wieder herauszukommen für ein Taxi und den Bus. Im Ganzen habe ich im Projekt selbst etwa 50 Dollars ausgegeben.

Sandstrand am Regenwald mit blauem Himmel

Serainas Ergänzungen zur Freiwilligenarbeit auf Costa Rica im Schildkrötenschutz

Das Projekt ist wirklich der Hammer, ich hatte eine wunderbare Zeit. Die Lage des Projektes ist einmalig und die Natur beeindruckend. Abseits jeglicher Zivilisation leben zu können und zu sehen, wie wenig man wirklich braucht, war eine tolle Erfahrung. Dabei noch mit gefährdeten Schildkröten arbeiten zu können und zu sehen, was für einen Effekt die Arbeit der Forschungsstation auf gefährdete Arten hat, war spitze. Es war toll zu wissen, dass man bei guter Arbeit wirklich einen Unterschied machen kann. Ich konnte in wenigen Wochen Freundschaften aufbauen und bin immer noch und hoffentlich noch lange in Kontakt mit Menschen, die ich dort kennengelernt habe. Im Großen und Ganzen hatte ich eine absolut fantastische Zeit und würde es jedem weiterempfehlen, der ein wenig abenteuerlustig und offen unterwegs ist!

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