Geier: Die Müllentsorger der Savanne

Die Kunst der Verwertung abgestorbener Tierreste ist ein zentraler Bestandteil im Kreislauf des Lebens. Um Krankheiten zu verhindern und Nährstoffe zu recyceln ist es wichtig, dass die Kadaver verendeter oder getöteter Tiere effizient abgebaut werden. Diese Aufgabe wird in weiten Teilen Afrikas von Geiern übernommen.

Der Abbau- und Verwertungsprozess von Aas kann langwierig und mit sehr unangenehmen Gerüchen verbunden sein, insbesondere wenn er unter feucht-warmen Temperaturbedingungen stattfindet. Der Mensch und die meisten Tiere würden sich von verwesenden Tierkadavern fernhalten, nicht nur wegen des üblen Geruchs, sondern auch wegen der erhöhten Seuchengefahr.

Ohne die Geier würden Abbauprozesse in der afrikanischen Natur weitaus langsamer ablaufen und somit das Risiko von Krankheiten enorm steigen. Dadurch wären nicht nur der Mensch, sondern vor allem auch andere Spezies gefährdet. Der Magensaft von Geiern besitzt einen sehr hohen Säuregehalt, wodurch sie in der Lage sind selbst stark verwestes Fleisch zu verdauen und Krankheitserreger abzutöten, die zu Botulismus, Cholera, Milzbrand oder sogar Tollwut führen.

Geier bei der Nahrungsaufnahme zu beobachten ist in jedem Fall ein Erlebnis und führt einem vor Augen, wie majestätisch diese oft unterschätzten Tiere sind. Bis zu 1 kg Fleisch können Geier innerhalb einer Fresseinheit aufnehmen. Nach Beendigung der Nahrungsaufnahme bleiben die Tiere für gewöhnlich am Boden und verweilen in einer Art Ekstase bis die Nahrung verdaut wurde. Dies erfolgt hauptsächlich, um Energie zu sparen, denn Fliegen mit vollem Magen ist sehr energieaufwändig. Sollte ein Räuber die Verdauungspause stören, so können die Vögel ihren Mageninhalt wieder hervorwürgen und ihr Körpergewicht so drastisch verringern. Auf diese Weise ist eine schnelle Flucht in die Luft möglich; dies ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass Geier je nach Art zwischen 4 und 15 (!) kg wiegen können.

Auch beim Fliegen haben Geier Strategien zum Energiesparen entwickelt. Um in die Luft aufzusteigen, nutzen sie Aufwinde. Dabei werden keine schnellen und energieaufwändigen Flügelschläge genutzt, sondern lediglich einige wenige starke Flügelschläge und unterschiedliche Flügelformationen (z.B. eine V-Form bei warmen Aufwinden).

Das Gleiten in der Höhe ermöglicht es den Tieren, die Landschaft nach Tierkadavern abzusuchen. Dies ist eine spezifische Eigenschaft der Altweltgeier in Afrika, Europa und Asien. Die Neuweltgeier (Nord- und Südamerika) verlassen sich mehr auf ihren Geruchssinn, als auf ihren Sehsinn.

Es ist bedauerlich, dass die Geier Afrikas nicht die Aufmerksamkeit und das Schutzbemühen erfahren, das sie verdienen. Da sie ein eher schlechtes Image genießen, mangelt es an einer starken Lobby, die sich für die stark bedrohten Tiere einsetzt. Nicht nur die fortwährende Lebensraumzerstörung macht den Geiern zu schaffen, sondern auch ihre zunehmende Vergiftung und Bejagung. Sofern keine intensiven Schutzmaßnahmen implementiert werden, werden bis zum Jahr 2020 viele lokale Populationen aussterben.

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