Natucate
Freiwilligenprojekt Siyafunda - Johanna
Johanna verbrachte einen Monat im Greater Makalali Game Reserve in Südafrika und sammelte im Rahmen des Freiwilligenprojekts intensive Erfahrungen im Artenschutz.
Steckbrief
Name: Johanna
Alter: 24
Projekt: Wildtier Monitoring Siyafunda
Dauer: 4 Wochen
Zeitraum: Oktober 2025
Erfahrungsbericht Johanna – Freiwilligenprojekt Siyafunda
Einmal Südafrika und zurück: ein Oktober im Greater Makalali Game Reserve
Keine zwei Meter von uns entfernt raschelt es laut... Ich stelle meine Kamera scharf und drücke ab. Klickend unterbricht das Geräusch das aufgeregte Geflüster der anderen Volunteers im Auto. Protestierend flieht der junge Wildhund aus dem Kreis seiner Familie, als seine Geschwister ihm spielerisch nachsetzen.
Und ich? Ich kann es noch immer nicht fassen, dass ich tatsächlich in Südafrika bin. Und dass ich offensichtlich ein neues Lieblingstier habe.
Anreise und Vorbereitung meines Freiwilligenabenteuers in Südafrika
Erst gestern ist mein Flieger in Hoedspruit gelandet – mit 2 Stunden Verspätung – was mir einen halben Herzinfarkt einbrachte.
Dabei lief die gesamte Vorbereitung der letzten Monate reibungslos: Impfungen, Flüge, Dokumente, Arzneimittel, Ausrüstung, SIM (MTN) am Johannesburger Flughafen... alles war schnell in trockenen Tüchern.
Doch auch diesmal unterstützt mich Natucate mit allem, was ich brauche, und so weiß auch das Team vor Ort schon, dass ich später ankomme.
Die nächsten vier Wochen verbringe ich im Main Camp mitten im Makalali Private Game Reserve. Die Zimmer sind erstaunlich gut ausgestattet mit Dusche und Toilette, nicht einmal geht das warme Wasser in dem Monat zur Neige.
Zweimal die Woche darf man für die gesamte Mannschaft Koch spielen oder Küchendienst schieben und einmal die Woche wird ein Braai veranstaltet. Zu meiner großen Freude funktioniert das alles auch mit meiner Glutenunverträglichkeit.
Typischer Tag im Siyafunda-Projekt
Morgens geht es schon früh raus; mein Wecker geht zumeist pünktlich vor Sonnenaufgang um 4:30 Uhr, damit ich erst noch in die Küche taumeln und einen Tee trinken kann. Mit Telemetrie-Gerät, Dataphone, Licht und Identifikationskits ausgestattet beginnt der Drive, der von den Rangern vor Ort, oder denen in der Ausbildung, geleitet wird.
Die Aufgabe der Volunteers ist dabei die Datenaufnahme für die Schlüsselarten. Dabei liegt der Fokus in den verschiedenen Wochen immer wieder auf unterschiedlichen Gebieten des Reservats oder bestimmten Arten. Über Mittag kann man sich am Pool entspannen oder die Aufnahmen der Kamerafallen auswerten.
Abends geht es dann auf den zweiten Drive. Natürlich sieht man nicht jeden Tag die Big 5 Tiere und manche Tage sind sehr still, es geht immerhin um Tiere, die sich im Reservat frei bewegen können, aber Langeweile kommt trotzdem nicht auf, wenn man für Tiere brennt!
Alternativ stehen die Woche über auch eine Patrouille zu Fuß an, sowie Maintenance. Oder auch „Folter“, wie wir die Samstage scherzhaft nennen, wo wir bei der Instandhaltung des Reservats helfen. Nein, wirklich, ich empfehle euch: packt Handschuhe ein!
Alles an Pflanzen hat viel zu lange Stacheln oder Dornen und man stolpert viel zu oft über Bäume, die die Straße blockieren, weil sich die Elefanten gedacht haben, dass sie Blätter dort oben viel besser aussehen als alles, was in Reichweite wäre.
Und sonst? Zurücklehnen und genießen. Und lernen.
Die kleine Bibliothek im Gemeinschaftsraum beinhaltet eine breite Spanne an Identifikations- und Ökologiebüchern und die Ranger sind immer bereit Fragen zu beantworten.
Klar, am Ende ist nichts ein Muss, aber man kann durchaus nach 4 Wochen zurückreisen und mit Selbstbewusstsein eine Gabelracke und weitere Vögel bestimmen oder erkennen, dass das Gespräch über Funk sich um einen weiblichen Leoparden gedreht hat. Ich fand es einfach großartig, dass es die Möglichkeit gab, sich im eigenen Tempo weiterzubilden.
Du brauchst:
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Warme Kleidung! Auf dem Auto wird es verdammt schnell kalt
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Dünne Kleidung! Temperaturen können auch über 40°C klettern
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Eine gute Regenjacke, es kann zu flutartigen Überfällen kommen
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Mückennetz (an sich gibt es nicht viele Mücken, aber es hält effektiv auch andere ungebetene Gäste fern)
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Handschuhe (wie gesagt: Dornen!)
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Noch etwas Geld auf dem Konto für optionale Sonntags-Ausflüge in die Umgebung (Kruger NP, Blyde River Canyon...), Preise liegen bei ca. 100 Euro, ein wenig Geld für Snacks
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Eine Kamera! Egal was für eine, es lohnt sich.
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Getrocknete Mango aus dem südafrikanischen Supermarkt! (Es geht nichts über leckere Snacks auf den Drives)
Aus der Komfortzone ins Abenteuer wagen
Letztendlich kann ich nur jedem empfehlen, diese Erfahrung einmal in seinem Leben zu machen! Ein bisschen mehr mit der Natur leben und sich aus seiner Komfortzone und auch ein bisschen den gängigen Hygienebedingungen herauswagen. Da kann es vorkommen, einen Skorpion im Bad zu finden, und sicherlich wird man auch mal eine Kakerlake sehen.
Aber man wird auch nachts Löwen rufen hören, laut genug, dass man eine Gänsehaut bekommt, es wird farbenprächtige Sonnenuntergänge geben, wilde Tiere ungestört nur wenige Meter entfernt und Begegnungen mit Menschen aus der ganzen Welt, aus denen sich Freundschaften entwickeln können.