Erfahrungsberichte Kims Erfahrungen:
Florida Wildlife

Auslandsstipendium 2018: Kims Erfahrungen als Volunteer

Wildlife-Projekt in Florida – Auslandsstipendium 2018

Die Zeit im Projekt: Woche 1 und 2

Nachdem Florida Wildlife-Stipendiatin Kim im ersten Teil ihres Auslandstagebuchs über die Vorbereitungsphase berichtet hat, schildert sie hier nun ihre Erlebnisse als Volunteer vor Ort im Projekt.

Ankunft am Samstag, den 14.07.

„Zu einem guten Ende gehört auch ein guter Beginn"

Frei nach diesem Zitat von Konfuzius startete ich meinen Aufenthalt in Florida voller positiver Gedanken. Meinen ersten langen Interkontinentalflug hatte ich gut überstanden und wurde am 14. Juli von Kurt am Flughafen eingesammelt. Allerdings erst, nachdem ich zwei Stunden auf mein Gepäck warten musste! Der erste Schritt vom Flughafen raus auf die Straße machte es mir nochmal besonders klar: Ich bin in Florida! Die hohe Luftfeuchtigkeit bekam für einen Moment meine ganze Aufmerksamkeit. Kurt, der Mann von Lisa und gemeinsamer Gründer des Tierschutzzentrums, begrüßte mich freundlich und sah genauso aus wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Vom Flughafen nach Silver Springs waren es 1,5 Stunden Fahrt, in denen Kurt und ich uns gegenseitig kennenlernen konnten. Er erklärte mir, dass Miranda vor Ort hauptsächlich verantwortlich für mich sein würde. Ich erhielt eine Informationsbroschüre und konnte mich so am Abend schon über meine Aufgaben der nächsten Tage informieren.

 

Sonntag, der 15.07., Tag 1

Den Sonntag bekam ich frei um mich etwas an die Atmosphäre zu gewöhnen und um den Rucksack auszupacken. Ich spazierte an dem Tag etwas die Sandstraße entlang und nahm viele neue Eindrücke auf. Die Palmen sind das erste gewesen, was mir ins Auge fiel. Auf dem Boden huschen viele Eidechsen rum, Schmetterlinge sind mindestens doppelt so groß wie bei uns in Deutschland und geschmückt mit einem Muster, das man bei uns noch nicht gesehen hat, etwa schwarz-gelb gestreift. Einfach nur schön. Am Abend habe ich mir noch einmal die Informationsbroschüre durchgelesen, um gut vorbereitet den folgenden Tag angehen zu können. Danach bin ich mit einem zufriedenen, aber auch aufgeregten Bauch schlafen gegangen.

 

Montag, der 16.07, Tag 2 1. Arbeitstag

Annie, meine Mitbewohnerin, ist die einzige von uns Freiwilligen, die ein Auto besitzt, weshalb wir uns morgens alle gemeinsam auf den Weg zur Arbeit machen. Einer der Jungs kommt so wie ich auch aus Europa und hilft, genau wie Annie, im Projekt schon seit zwei Monaten mit. Da Jordan jedoch aus London kommt, bleibe ich die einzige, die eine andere Sprache spricht und dazu lernen muss. Sean ist ein Jahr älter als ich und kommt aus Orlando, also direkt aus Florida. Er ist nun auch schon seit vier Wochen hier. Bis wir bei dem Schutzgebiet angekommen sind, dauert es mit dem Auto ca. 5 Minuten. Als wir dann da waren, gingen wir alle in einen Waggon hinein, in dem wir uns immer wieder aufhalten würden wie ich schließlich erfuhr. Da es mein erster Tag war, durfte ich mit Miranda mitgehen und ihr dabei zugucken, wie sie ihren Aufgaben nachgeht, die später meine sein würden.

Wir haben sechs Hauskatzen auf dem Gelände, dementsprechend brauchen wir mindestens sechs Trinkschalen und sechs Fressnäpfe. Eine Katze ist etwas zu dünn und bekommt deshalb die Hälfte der eigentlichen Portion nochmal oben drauf, um etwas zuzunehmen. Auf dem Gelände lebt auch eine ältere Katze, die Schulterprobleme hat, deshalb muss man darauf achten, ein bestimmtes Pulver ihrem Futter beizumengen. Die Fressnäpfe stellen wir in die großen Trinkschalen hinein, damit das Futter umgeben von Wasser ist. Das ist nötig, da es dabei hilft, Ameisen und andere Tiere vom Futter fernzuhalten. Die Katzen haben alle individuell ihren eigenen Lieblingsplatz, deshalb ist es immer ein ganz schönes Hin und Her, ihnen das Futter zu bringen.

 

Danach haben wir uns um Chief gekümmert. Er ist das Pferd auf dem Platz und bevor man ihn pflegen kann, sollte man ihm erst einmal sein Futter geben. Danach wird sein Pony und sein Schweif ordentlich durchgebürstet und sein komplettes Fell mit Fliegenspray eingesprüht. Um im Gesicht Fliegenspray aufzutragen, benutzen wir einen Lappen, auf den wir das Fliegenspray geben. Chief hat eine Menge Auslauf und sogar seinen eigenen kleinen Wald.

Gleich danach gingen wir rüber in das Gehege der Landschildkröten und säuberten an den Stellen, an denen es nötig war. Wir erneuerten das Wasser im Pool und das Trinkwasser. Die Schildkröten haben genau wie Chief ein riesiges Gelände, wobei Chief doch nochmal viel größer ist. Das Gelände der Schildkröten ist bestimmt über 800 Quadratmeter groß.

Direkt danach wechselten wir zu den Fledermäusen und fingen an, dort alles zu reinigen. Ich habe gelernt, dass Fledermäuse das Obst, was sie zum essen bekommen, nicht wirklich essen, sondern eher nur die Flüssigkeiten aussaugen; die Reste spucken sie wieder zurück auf den Boden. Insgesamt bekommen die männlichen und die weiblichen Fledermäuse ungefähr 15 kg klein geschnittenes Obst. Ich denke, man kann sich vorstellen, dass das jeden Tag eine gewaltige Unordnung auf dem Boden anrichtet. Da die Erde mit Sand bedeckt ist und wir diesen ungerne verschwenden möchten, müssen wir, nachdem wir alle Essensreste aufgekehrt haben, den Eimer mit dem Sand und den Resten noch einmal durchsieben. Das Ganze dauert ungefähr 45 Minuten und ist ganz schön anstrengend bei diesem Klima. Auf dem Rückweg zum Waggon nehmen wir die Futternäpfe und die Wasserflasche von den Fledermäusen mit, um sie wieder aufzufüllen. Nachdem alle Näpfe und Eimer gereinigt wurden sind, konnte ich gemeinsam mit Annie damit beginnen, das Obst für die Fledermäuse klein zu schneiden und pro Zutat genau abzumessen. Wenn wir alles vor Ort haben, schneiden wir Äpfel, Bananen, Möhren, Honigmelonen und Trauben für die Fledermäuse klein. Das klingt sehr lecker und sieht aus wie ein Obstsalat für 30 Personen. Hinzu kommen jedoch noch gemahlene Affenkekse. Danach wird alles kräftig gemischt und in separaten Schüsseln verteilt. Die männlichen Fledermäuse kriegen 3 x 1,75 kg in Schüsseln aufgeteilt und die weiblichen, da sie in der Überzahl sind, 3 x 3,48 kg. Da Fledermäuse nachtaktiv sind, hängen wir ihnen das Futter erst kurz bevor wir gehen im Käfig auf.

 

Das waren die Aufgaben von Miranda an diesem Tag gewesen und als Sean, Jordan und Annie ihre Aufgaben ebenfalls erledigt hatten, gab es Lunch. Meistens haben wir gegen 12:30 Uhr eine Stunde Pause. Man kann sich Obst aus dem Kühlschrank nehmen oder sich Sachen von Zuhause mitnehmen, das bleibt einem selbst überlassen.

Nachdem wir fertig gegessen und uns ausgeruht hatten, ging es also wieder an die Arbeit. Wir erledigten gemeinsam Aufgaben wie beispielsweise Unkraut auf dem Gelände zu rupfen oder im Weg hängende oder liegende Äste wegzuräumen. Wenn Projekte anstehen, die meist von Kurt übernommen werden, helfen wir ihm dabei so gut es geht. Manchmal putzen wir auch den kompletten Waggon. Hygiene spielt eine sehr große Rolle.

Als es dann 17:30 Uhr war, konnten wir uns alle gemeinsam wieder auf den Heimweg machen. So erschöpft wie man nach diesem Tagesablauf ist, möchte man am liebsten nur noch ins Bett fallen. Aber vorher wartet eine schöne Dusche und ein leckeres Abendessen.

 

17.-19.07., 2.-4. Arbeitstag

Am Dienstag durfte ich mich schon alleine um Chief kümmern – gestern und heute habe ich die Aufgaben, von denen ich bereits weiter oben berichtet habe, komplett alleine übernommen und es war ein tolles Gefühl! Obwohl es mich zum Glühen gebracht hat, hat es mir sehr viel Spaß gemacht. Miranda hat mir gestern angeboten, mich mit den Affen vertraut zu machen und mir zu erklären, wie ich mich um sie kümmern muss. Ich wollte aber lieber nochmal die Basics durchgehen, damit ich diese auch wirklich verinnerlicht habe. Ich werde wohl dann die nächsten Tage die Affen kennenlernen, und lernen, wie man mit ihnen umgeht. Ich bin schon sehr gespannt!

 

Meine zweite Arbeitswoche

Obwohl der tägliche Ablauf bereits Routine geworden ist, kommt es mir immer noch so vor, als wäre ich gestern erst aus dem Flugzeug gestiegen. Unglaublich, dass bereits zwei Wochen vergangen sind. Auch Jordan, freiwilliger Praktikant aus England, konnte kaum glauben, dass seine Zeit jetzt schon vorbei ist. Sonntag war sein letzter Tag und er konnte sich die Woche über aussuchen, in welchen Bereichen er arbeiten wollte. Er wird uns definitiv fehlen!

In der zweiten Woche ging es bei mir hauptsächlich um die Affen, die ich endlich kennenlernen durfte. Zu den Affen gehören Lemuren, Klammer- und Kapuzineraffen. Miranda, die das Projekt in Vollzeit unterstützt, hat mir gezeigt, wie ich die Gehege richtig säubere und wie ich den Tieren das Essen zubereite und reiche.

Die Pflege der Affen kann man sich dann in etwa so vorstellen: Das Essen der Affen wird immer einen Tag vorher zubereitet und sortiert in zwei Eimer gepackt. Das Essen muss – wie bei den Fledermäusen – abgewogen werden, da die beiden jüngeren Affen Louie und Jojo nur zu zweit sind und nicht so viel bekommen wie die anderen Affen. Durch das Wiegen wird also sichergestellt, dass jedes Tier auch nur so viel Essen bekommt, wie es benötigt, damit es gesund bleibt und weder hungern muss, noch zu viel Nahrung zu sich nimmt. Bevor wir uns also auf den Weg machen, um die Kapuzineraffen zu füttern und die Gehege zu reinigen, müssen wir einen Wagen mit folgenden Gegenständen beladen: mit einem Eimer für Kot und Essensreste, einem Rechen, einer Schaufel und den zwei vorbereiteten Eimern, beschriftet mit einem C für Capuchins und einem L für Lemurs sowie Spider Monkey. Hat man alle seine sieben Sachen auf dem Wägelchen dabei, kann man sich auf den Weg machen!

Die Kapuzineraffen sind zuerst dran. Zunächst geht man mit einem Metallschaber durch das Gitter, um all die Essensreste und den Kot auf dem Boden rauszuschieben. Es wirkt immer sehr unordentlich bei ihnen, da sie es lieben, mit dem Sand zu spielen und dabei ganz viele Löcher in den Boden zu graben. Die unebenen Stellen müssen wir immer wieder auffüllen und eben machen. Sollten sich Essensreste oder Kot auf Baumstämmen oder auf Hütten der Affen befinden, spülen wir dies mit dem Schlauch runter. Am besten so, dass wir keinen Affen treffen! Obwohl sich diese bei den Sommertemperaturen vermutlich über eine kleine Abkühlung freuen würden.

 

Danach verteilen wir der Reihe nach die Futterschalen aus dem Eimer. Die ersten zwei Schalen, die oben liegen, gehören Louie und Jojo, den beiden jüngsten Kapuzineraffen. Nach ihnen bekommen Barry und Chico ihr Essen, ebenfalls aufgeteilt in zwei Schalen. Chico leidet unter Angststörungen und ist deshalb nicht in der Lage mit der Familie zusammenzuleben. Da Affen aber auch nicht alleine sein können, lebt er mit Barry, einem anderen Kapuzineraffen zusammen in einem Gehege. Als letztes wird die Familie mit fünf Affen gefüttert und bekommt vier Schalen. Vier von neun Kapuzineraffen wurden damals in Laboratorien gehalten. Das konnte man daran erkennen, weil jeder von ihnen ein Tattoo im Gesicht hat.

Nach den Kapuzinern geht es dann weiter zu den Lemuren (vom Aussehen her sehr bekannt aus dem Film „Madagaskar"). Diese fünf leben alle zusammen in einem Gehege und kriegen drei Schalen Futter. Einer der fünf, Rusty, wird immer mal wieder vom Essen ausgeschlossen, weshalb wir uns darum kümmern müssen, dass er genug Nahrung bekommt. Zu guter Letzt sind die drei Klammeraffen an der Reihe. Meiner Erfahrung nach sind es die freundlichsten und friedvollsten vor Ort. Die Kapuzineraffen können nämlich gerne mal ganz schön aggressiv werden. Nach dem Füttern aller Affen müssen wir sie noch etwas observieren, um ausmachen zu können, ob etwas anders verläuft als gewohnt. Jeden Freitag werden die Gehege der Affen intensiv gereinigt. Dazu müssen die Tiere zunächst in ein anderes Gehege gebracht werden.

Für die eigene Sicherheit sollte man immer eine Armlänge Abstand halten. Und da die Affen gerne an Haaren, Klamotten oder Körperteilen ziehen, sollte man sich natürlich auch nicht anlehnen. Bei einer Erkältung darf man leider weder das Essen vorbereiten, noch die Gehege putzen, da die Affen etwas älter sind und sich genauso schnell erkälten können wie wir.

 

Meine Erfahrung

Es ist mir ein- oder zweimal passiert, dass die Kapuzineraffen den Metallschaber und sogar meine Hose zu fassen bekommen haben. Da habe ich gemerkt, dass die Kerlchen echt flinker sind als man denkt! Zudem sollte man die Affen nicht anlächeln, weil sie es als Provokation/aggressives Verhalten empfinden! Das war mir vorher nicht bekannt und es war zunächst schwierig, sich daran zu gewöhnen. Die Klammeraffen sind nach meinen Erfahrungen sehr liebenswerte und aufgeschlossene Tiere. Besonders Gramps ist ein wahrer Charmeur und wirft vor allem weiblichen Mitarbeitern gerne mal einen Kussmund zu!

Ich habe mich in dieser Woche erneut um die Fledermäuse, die Schildkröten, die Katzen und um Chief, das Pferd, gekümmert. Die Affen waren dennoch meine größte Herausforderung, da ihre Pflege noch immer neu für mich ist und auch sehr anstrengend sein kann. Ich liebe es, den Fledermäusen und den Affen beim Essen zuzusehen – sehr angenehm also, dass man die Affen observieren muss! Es ist einfach interessant und immer amüsant.

Leider hat es in der letzten Woche sehr oft und stark geregnet und da die Aufgaben trotzdem erledigt werden müssen, gingen wir oft komplett durchnässt nach Hause! Wenn man jedoch einmal komplett nass ist, spielt der Regen sowieso keine Rolle mehr und es macht sogar Spaß! Dennoch würde ich es prinzipiell bevorzugen, trocken zu bleiben.

Nächste Woche werde ich dann auch die Bären näher kennenlernen. Ich habe bereits damit begonnen, das Futter für sie zu vorzubereiten und durfte Miranda dabei beobachten, wie sie das Futter für die Fleischfresser zubereitet hat – das war auf jeden Fall was ganz Neues. Bald darf ich dann demnach mehr über die Karnivore lernen, es bleibt also spannend!

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