Der Walhai – Gigant der Weltmeere

Betrachtet man den Walhai (Rhincodon typus) in seiner ganzen Dimension, dann vergisst man schnell, dass es sich dabei um keinen Wal, sondern um einen Fisch handelt. Mit einer maximalen Körperlänge von 14 Metern und einem Gewicht von bis zu 12 Tonnen ist der zu der Ordnung der Ammenhaiartigen (Orectolobiformes) gehörende Walhai der größte lebende Fisch der Weltmeere. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den gesamten Globus innerhalb der tropischen und subtropischen Gewässer.

Er besitzt eine gräulich-bräunliche Farbe und helle, gefleckte Querlinien auf der Oberseite sowie eine weiße, ungemusterte Bauchseite. Das Fleckenmuster auf der Oberseite wird auch als Fingerabdruck bezeichnet, da dieses bei jedem Individuum eine einzigartige Form besitzt. Das endständige Maul des Walhais, das von bis zu 3600 kleinen Zähnen gesäumt ist, erstreckt sich über die gesamte Breite seines Kopfes. Öffnet er sein Maul, dann fungiert es als riesiger Trichter, um Kleinstlebewesen aus dem Meerwasser zu filtern. Sein Hauptnahrungsmittel stellt dabei vor allem Zooplankton dar, weshalb er häufig in Gewässern mit saisonaler Planktonblüte anzutreffen ist. Um seine Beute zu fangen, schwimmt der Walhai stundenlang mit geöffnetem Maul umher und saugt dabei bis zu 6000 Liter Wasser pro Stunde ein. Dieses wird durch einen schwammartigen Filterapparat an den Kiemendeckeln wieder herausgepresst, wodurch das aufgenommene Plankton im Walhai verbleibt und verdaut werden kann.

Obwohl der Walhai aufgrund seiner Ausmaße recht auffällig und markant ist, ist bisher nur sehr wenig über den friedlichen Riesen bekannt. Vor allem das Sozial- und Paarungsverhalten ist weitgehend unerforscht. Erst seit dem Fang eines schwangeren Weibchens im Jahr 1995 vor der Küste Taiwans weiß man, dass die Tiere ovovivipar sind, das heißt, sie bilden Eier, die allerdings noch in der Gebärmutter schlüpfen, sodass letztlich lebende Jungtiere geboren werden. Die unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Jungtiere im Mutterleib des in Taiwan gefangenen Tieres legen die Vermutung nahe, dass der Walhai die Entwicklung und somit den Geburtszeitpunkt seines Nachwuchses aktiv beeinflussen kann, um seine Überlebenschancen zu erhöhen.

Die erste Fortpflanzung der Walhaie erfolgt erst in einem Alter zwischen 10 und 30 Jahren. Wegen dieser langsamen Reproduktion und starker Überfischung gilt der Walhai heute als stark gefährdet. Ein Zeichen für den Schutz der Tiere setzten im Jahr 2010 die Öffentlichkeit und verschiedene Umweltverbände im arabischen Emirat Dubai, als sie dagegen protestierten, dass ein vier Meter langes Walhai-Männchen in einem der größten Meerwasseraquarien der Welt im berühmten Atlantis-Hotel gehalten wird. Die Hotelverwaltung gab dem Druck der Öffentlichkeit nach und setzte das Tier zurück in seinen natürlichen Lebensraum im Persischen Golf.

Autor: NATUCATE – David Pyka

Quellen: worldwildlife.org, Joseph S. Nelson, Fishes of the World, John Wiley & Sons, 2006

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