Kakapo: Die Tugend der Langsam­keit

Der Kakapo ist in Neuseeland beheimatet und zählt zu den größten flugunfähigen Papageien der Welt. Erfahre in unserem Blog mehr über die vom Aussterben bedrohte Art.

David
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Der Kakapo ist einer der größten flugunfähigen Papageien der Welt. Ursprünglich besiedelte er weite Teile Neuseelands, inzwischen ist er aber akut vom Aussterben bedroht und kommt daher nur noch in bestimmten Naturschutzgebieten vor. Intensive Schutzmaßnahmen und Aufzuchtprogramme sollen das Fortbestehen der Art sichern.

Plump, langsam, flugunfähig und nicht gerade ein Meister der Fortpflanzung. Der Kakapo (Strigops habroptilus) ist wahrhaft kein Überlebenskünstler. Würden in der Tierwelt die Attribute schnell, stark, geschickt, majestätisch, intelligent oder elegant als Maß für Positives gelten, dann würde der Kakapo nicht besonders gut abschneiden. Doch trotz oder vielleicht gerade wegen dieses Nichtskönnens in Perfektion geht von dem großen Papageien eine sonderbare Faszination aus.
Der Kakapo stellt den einzigen Vertreter aus der Unterfamilie der Strigopinae (Eulenpapageien) dar. Es handelt sich um einen bis zu 60 cm großen und 3 bis 4 kg schweren Papageien mit moosgrünem Gefieder. Als endemische Art ist er ausschließlich auf Neuseeland beheimatet. Wegen seiner starken Gefährdungssituation in den letzten Jahrzehnten, unter anderem wegen des zunehmenden Lebensraumverlusts sowie der Bedrohung durch eingeschleppte Landraubtiere, wurden die Populationen, von deren Existenz man weiß, auf kleinere, unbewohnte Inseln umgesiedelt, die vorher von eingeschleppten Prädatoren befreit wurden.

Auf Grund der erdgeschichtlich isolierten Lage Neuseelands und dem Fehlen jeglicher Landsäugetiere haben sich die Vögel als erfolgreichste Tiergruppe auf der grünen Insel etabliert. Da sie sich nie an Fressfeinde gewöhnen mussten, haben einige Arten ihre Flugfähigkeit verloren, so auch der Kakapo. Er bewegt sich relativ langsam, ausschließlich zu Fuß fort und besitzt keinen Fluchtinstinkt, wodurch er immer häufiger zur Beute für invasive Landräuber wie Katzen, Hunde oder Marder wird.
Besonders außergewöhnlich ist das Fortpflanzungsverhalten des Kakapos. Völlig untypisch für die meisten Papageienarten wird die Balz in Arenen, sogenannten „Leks“ ausgetragen. Während der Balzzeit verlassen die Männchen ihre Reviere und suchen die meist auf einer Anhöhe gelegenen Balzarenen auf. Dort legen sie ihren individuellen Balzplatz in Form einer etwa 50 cm breiten Vertiefung an, welche regelmäßig von Blätter und kleinen Ästen gesäubert wird.

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Mit lautem Brummen und Krächzen, Flügelschlagen und Federnspreizen kämpfen die Männchen um den besten Balzplatz. Die Weibchen, welche ebenfalls ihre Territorien verlassen und die Balzarenen aufsuchen, versammeln sich um die Männchen herum und beobachten sie bei ihren Kämpfen. Hat das Weibchen ein Männchen gewählt, kommt es zur Kopulation. Das Weibchen kehrt daraufhin in ihr Territorium zurück und legt etwa zwei bis vier Eier ab, die anschließend bebrütet werden. Das Männchen setzt seine Balz fort, um weitere Weibchen zur Paarung zu finden.

Während der Paarungszeit ist das Männchen sexuell sehr erregbar. Es gibt Berichte darüber, dass männliche Kakapos versucht haben, sich mit Ästen oder einem zusammengerollten Pullover zu paaren.
Allgemein vermehrt sich der Kakapo nur extrem langsam, was seine Gefährdungssituation noch weiter verschärft. Männchen beginnen mit ihren Paarungsrufen erst ab dem 5. Lebensjahr, Weibchen sind sogar erst ab dem 9. Lebensjahr zur paarungsbereit. Hinzukommt, dass sich Kakapos nicht jedes Jahr fortpflanzen, sondern nur, wenn es das Nahrungsangebot zulässt, in der Regel alle drei bis fünf Jahre.

Die Kakapo-Populationen, die auf den vorgelagerten, kleinen Inseln Neuseelands ausgesetzt wurden, erholen sich inzwischen wieder. Auf Grund ihres hohen Schutzstatus dürfen die unbewohnten Inseln jedoch nur von professionellen Artenschützern und Forschern betreten werden. Inzwischen ist die Individuenzahl von geschätzten 22 Tieren im Jahr 1986 auf etwa 140 im Jahr 2015 gestiegen. Von einer nachhaltigen Bestandssicherung ist man aber noch sehr weit entfernt und es ist weiterhin unklar, ob die Art endgültig aussterben wird.

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