Mist zum Frühstück – Der Mistkäfer

Zugegeben, die Vorstellung sich von den Exkrementen anderer Tiere zu ernähren ist nicht gerade schön. Wenn man sich nun überlegt, dass es ein Tier gibt, dass den ganzen Tag nichts anderes macht als Tierkot in Bällchenform zu bringen und von A nach B zu transportieren, um sich so ein reichhaltiges Nahrungsdepot anzulegen, dann kann man schon stutzig werden. Dabei übersieht man schnell, dass der Mistkäfer durch die Besetzung einer wichtigen Nische im ökologischen System genau wie jedes andere Lebewesen eine Daseinsberechtigung hat, denn es gibt vermutlich kein anderes Tier, das die Verwertung von Mist so sehr perfektioniert hat, wie der Mistkäfer.

Die weit verbreitete Familie der Mistkäfer (Geotrupidae) zählt insgesamt über 250 Arten, die sich über den gesamten Globus verteilen. In Europa leben etwa 59 Arten. Ihr Lebensraum umfasst Wälder, Felder oder Wiesen. Da sie sowohl zu trockenes als auch zu feuchtes Klima meiden, sind sie vor allem in subtropischen und gemäßigten Klimazonen zu finden.

Mistkäfer erreichen eine Länge von 10 bis 50 mm. Meistens besitzen sie eine schwarze, dunkelbraune oder violette Farbe mit einem metallischen Schimmern. Ihre Beine sind fein gesägt, was eine optimale Anpassung an das Graben oder Umwälzen von Erde und Dung ist.

Generell kann man die Mistkäfer gemäß ihrer Verwertung von Exkrementen in drei verschiedene Typen unterteilen:

  • Der Roller (engl. rollers) formen den Kot zu kleinen Bällchen und rollen ihn zu ihren unterirdischen Bruthöhlen.
  • Die Tunnelbauer (engl. tunnelers) vergraben den Kot an Ort und Stelle im Boden, ohne ihn vorher zu einer Kugel zu formen.
  • Der Höhlenbewohner (engl. dwellers) rollen den Kot weder herum noch vergraben sie ihn, sie leben direkt im frisch gemachten Haufen.

Die Roller und Tunnelbauer können täglich das 250-fache ihres eigenen Körpergewichtes an Kot vergraben. Bei jedem der drei Typen wird der Kot als Nahrungsquelle und Brutkammer für den Nachwuchs genutzt. Die Eier werden in der Regel in zuvor angelegten unterirdischen Bruthöhlen abgelegt. Der Dung wird in extra dafür vorgesehene Vorratskammern transportiert, wo er den Larven als Nahrungsquelle dient. Man kann hier also von Brutpflege der adulten Tiere für ihren Nachwuchs sprechen, ein Verhalten, das bei nicht-sozial organisierten Insekten äußerst selten zu beobachten ist.

Die ökologische Funktion der Mistkäfer für den Nährstoffkreislauf ist enorm: Durch das Forttragen von Kot sorgen sie zum einen für ein verringertes Seuchenrisiko für Viehherden, zum anderen fördern sie durch das Vergraben von Kot Nährstoffe in die tieferen Bodenschichten, eine natürliche Art der Düngung.

Eine weitere Besonderheit der Mistkäfer ist ihre Art der Orientierung. Wissenschaftler konnten nachweisen, dass sie die einzigen nicht-menschlichen Lebewesen sind, die mithilfe der Sterne und der Milchstraße navigieren. So ist es ihnen möglich einen Schnappschuss des Sternenhimmels zu machen, während sie sich auf der Mistkugel um die eigene Achse drehen. Diese Entdeckung wurde mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet, ein satirisches Pendant zum Nobelpreis, das für Errungenschaften in der Forschung vergeben wurde, die die Menschen zuerst zum Lachen und danach zum Nachdenken bringt.

Im Rahmen der NATUCATE-Ranger-Kurse im südlichen Afrika kann das Verhalten der faszinierenden Mistkäfer in freier Wildbahn beobachtet werden.

Autor: David Pyka - NATUCATE

Fragen oder Anregungen? — Wir rufen Dich gerne zurück.