Meeresschildkrötenschutz in Costa Rica

Unser Freiwilligenprojekt in Costa Rica hat sich den Schutz und Erhalt bedrohter Meeresschildkröten zum Ziel gesetzt. Lebensraumverlust, Umweltverschmutzung, Befischung sowie Wilderei stellen ernsthafte Bedrohungen für die Tiere dar. Durch gezielte Schutzmaßnahmen von Projekten wie jenes unseres Partners kann ein wichtiger Beitrag zum Bruterfolg und damit zum Erhalt der Meeresschildkröten geleistet werden. Im Folgenden stellen wir Dir die jüngsten Ereignisse in unserem Artenschutzprojekt in Costa Rica kurz vor und geben Dir aktuelle Informationen zur bisherigen Brutsaison.

Schildkrötenrettung: Eine nach der anderen

Unserer Partner aus Costa Rica hat zu Beginn des Jahres auf mehr Tierrettungsfälle reagieren müssen als jemals zuvor. Insgesamt sind sechs Rettungsfälle verzeichnet worden, hauptsächlich als Folge von Hobbyfischen. Zwei Karettschildkröten haben Anzeichen für starken Blutverlust gezeigt, zwei weitere hatten einen Angelhaken in ihrer Haut stecken. Bei den schlimmsten Fällen war Angelschnur involviert.

Maple war eine gesunde und voll entwickelte, ausgewachsene Grüne Meeresschildkröte, welche erstmalig im Dezember 2017 gesichtet wurde. Ein paar Monate später jedoch verlor sie 30 Kilogramm an Gewicht; das entspricht fast der Hälfte ihres Normalgewichtes! Man hat ihr schließlich einen Meter Angelschnur aus ihrem Rachen gezogen; nach ein paar Tagen hat sie weitere 15 Meter Angelschnur erbrochen. Die Angelschnur hat den Magen der Schildkröte so stark verstopft, dass Maple nicht dazu in der Lage war, Nahrung aufzunehmen und Stoffwechselreste auszuscheiden. Und das vermutlich wochenlang.
Obwohl das Team des Parque Marino del Pacifico unzählige Bemühungen aufgewandt und sie wochenlang mit der Flasche gefüttert hat, ist Maple im April 2018 verstorben.

Lefty, eine junge Karettschildkröte, wurde am gleichen Tag wie eine weitere jugendliche Schildkröte gefunden, der ein Angelhaken operativ aus der Schulter entfernt werden musste. Um Leftys rechte Schulter hatte sich eine Angelschnur gewickelt – nach Begutachtung der Verletzung entschieden sich die Tierärzte dazu, eine Operation durchzuführen, da sie sonst keine andere Möglichkeit sahen, Lefty zu helfen. Lefty hat zur Genesung fast drei Monate in Puntarenas verbracht und wurde im Mai an ihrem Heimatstrand, dem Playa Blanca, wieder freigelassen.

Es mag zwar ein schönes Gefühl sein, diese Meeresschildkröten nach Monaten intensiver Pflege erneut im Meer auszusetzen – doch viele solcher Fälle hätten verhindert werden können, wenn einige Fischer ihre Angelausrüstung verantwortungsvoller, vorsichtiger und sachgerecht entsorgt hätten. Eine Angelschnur ins Meer zu werfen mag nur einige Sekunden dauern, kann aber dafür das Leben eines unschuldigen Tieres beenden, das bereits seit mehr als 40 Jahren gelebt hat. Angelschnur oder anderer fester Abfall lösen sich nicht nach ein oder zwei Jahren auf – es kann bis zu 600 Jahre dauern, bis sich eine solche Schnur zersetzt hat. Wie viele Tiere sollen noch innerhalb von 600 Jahren ihr Leben lassen?

Die Brutzeit 2018 am Rio Pacuare – bisherige Situation

Die Nistzeit der Lederrückenschildkröten hat offiziell begonnen: Am 02. März sind die ersten Nester gesichtet worden. Im Vergleich zu 2017 wurde dieses Jahr das erste Nest der Saison von unserem Projektpartner eingesammelt und an einen sicheren Platz am Strand verlegt.
Durch die geringe Anzahl an Wilderern gelang es unserem Projektpartner, 17 Nester an den Strand zu verlagern – in dieser Saison musste kein Nest in einer Styroporbox ausgebrütet werden. Leider ist ein Nest von einheimischen Hunden zerstört worden. Die Brutstätte wurde am 21. März fertiggestellt; fast zwei Monate früher als in der vorherigen Saison. Das bedeutet, dass mehr Nester in sterilem Sand gelagert und von den Freiwilligen überwacht wurden.
Durch das Projekt konnten bisher schätzungsweise 65% der Nester eingesammelt werden. Da die Anzahl der Aktivitäten durch Wilderer zu Beginn der Saison niedrig war, gelang es unserem Projektpartner, mehr Nester einzusammeln, als gestohlen werden konnten. Seit neustem haben leider einige Wilderer damit angefangen, zum Strand zu kommen, was die Nummer der eingesammelten Nester während einer Patrouille reduziert. Eine bedenkliche Entwicklung, denn trotz einer hohen Anzahl der Patrouillen am Strand sind Wilderer dazu in der Lage, dieselbe Anzahl an Nestern oder mehr einzusammeln als unser Projektpartner.
Diese Tatsache ist ein Spiegelbild der fehlenden Anwesenheit der Behörden am Strand – keine staatliche Behörde (Polizei oder Küstenwache) unterstützt das Projekt, was zur Folge hat, dass unser Projektpartner nicht mehr Schildkrötennester retten kann. In der Brutstätte befinden sich bereits 108 Lederrückenschildkrötennester und zwei Karettschildkrötennester – das sind doppelt so viele wie in der letzten Brutsaison. Nachdem die zwei Karettschildkröten ihre Eier gelegt hatten, wurden sie geschützt, bis sie wieder sicher im Meer waren.
Bisher ist keine Grüne Meeresschildkröte oder Karettschildkröte getötet worden. Dieses Jahr wurden mehr als 400 Schlüpflinge freigelassen, welche aus sieben Nestern, die an den Strand verlagert wurden und fünf Nestern, die in der Brutstätte ausgebrütet wurden, geschlüpft sind.

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