Erfahrungsberichte Professional Field Guide Anna Katharina

Südafrika und Botswana

Professional Field Guide

Zwischenstand nach 5 Monaten

Fast ein halbes Jahr ist bereits vorbei und aktuell befinde ich mich im Urlaub. Ja – im Urlaub zuhause in Deutschland. Es ist erstaunlich, wenn auch keine Überraschung, wie schnell ich mich eingelebt habe. Am Ende habe ich das Gefühl, vielleicht 4 Wochen weg gewesen zu sein und dabei waren es knapp 6 Monate. Eine unglaubliche Zeit liegt hinter mir. Anfang Januar diesen Jahres machte ich mich auf den Weg nach Südafrika, um dort meinen einjährigen Professional Field Guide-Kurs zu starten. Ich absolvierte die Ausbildung zum Field Guide und zuletzt habe ich die Ausbildung zum Trails Guide back up erfolgreich abgeschlossen. Zusätzlich darf ich mich Basic Birder und Level 3 Tracker nennen.

Speziell das Tracking hat sich zu einer Leidenschaft entwickelt. Ich liebe es, zu Fuß unterwegs zu sein - es gibt einfach nichts Besseres. Man nimmt die Umwelt ganz anders wahr als mit dem Geländewagen und gerade die vielen kleinen Dinge, die so viel über den Bush erzählen, und was aktuell im Bush passiert werden nicht einfach übersehen. Tracks können ganze Geschichten erzählen und das fasziniert mich. Zu aller Anfang stellt sich natürlich die Frage, welches Tier diese Spuren hinterlassen hat. Im nächsten Schritt heißt es dann: Was hat es gemacht? War es alleine? Wann war es da? Es gibt viele Dinge, die dabei helfen, Spuren zu deuten, aber am wichtigsten ist am Ende sich auch im Umfeld umzusehen über den Tellerrand hinauszuschauen, ganz nach dem Motto: Think Outside The Box.

 

Das Breitmaulnashorn isst viel Gras und "reißt" es mit seinen Lippen ab. Das Spitzmaulnashorn hingegen ist kein Graser; frisst stattdessen an Bäumen und Sträuchern und knipst kleine Äste mit seiner Lippe ab. Es ist erstaunlich, aber schaut man sich diese Äste im Dung an, sind sie in einem Winkel von ca. 45 Grad abgeschnitten. Hier handelte es sich eindeutig um ein Breitmaulnashorn – keine Frage, der Dung war eindeutig und die Tracks ebenso. Die Tracks variieren in Größe und Form zwischen den beiden Spezies. Schauen sie auf den ersten Blick gleich aus, so erkennt man bei genauerer Betrachtung schnell den Unterschied.

 

Wir fachsimpelten noch darüber wie alt der Dung wohl sei und stellten fest, dass es ein Weibchen gewesen sein muss, da Männchen meist in sogenannten Midden ihr Geschäft erledigten, Teil ihres Territorial Verhaltens. Ich wanderte schon etwas weiter entlang der Tracks des Rhinos. Ich war auf der Suche nach dem perfekten Track. Aber irgendwie sahen einige Tracks anders aus, viel kleiner. Ein zweites Rhino – ein Baby! Hervorragende Neuigkeiten! Ein Stück weiter waren weitere Spuren zu sehen. Als hätte jemand etwas weggeschoben, zudem zwei Löcher im Sand. Das Kleine hat am Boden geschnüffelt und mit seinen Nasenlöchern Spuren im Sand hinterlassen. Bei mir startete bereits wieder das Kopfkino und das is es, was mich so fasziniert. In meinen Gedanken sah ich die beiden den Weg entlangschlendern. Das Kleine neugierig um die Mutter herumlaufend und die Nase in den Sand steckend. Eine schöne Vorstellung.

 

Je mehr Zeit ich im Bush verbringe, umso wichtiger wird mir allein die Gewissheit zu wissen, dass die Tiere einfach da sind und dass es ihnen gut geht. Es ist immer wunderbar, die Tiere zu sehen und ich freue mich über jedes Zusammentreffen, aber es ist schon seit einiger Zeit nicht mehr absolute Priorität. Ohne die Tiere zu sehen, kann ich mir sicher sein, dass sie ihre Routen drehen und wenn wir aufeinandertreffen, freut es mich umso mehr.

Fragen oder Anregungen? — Wir rufen Dich gerne zurück.