Erfahrungsberichte

Berufspraktikum in Botswana – Erhalt bedrohter Tierarten

Berufspraktikum: Artenschutz in Botswana

(04.01. – 28.02.2017)

Das Team vor Ort setzt sich seit 2014 für die Erhaltung bedrohter Tierarten in Botswana ein. Im Nordosten des Okavango Binnendeltas steht der dreiköpfigen Organisation eine Konzession zu Forschungszwecken zur Verfügung. Die Khwai Konzession umfasst rund 180’000 Hektar Land, wobei nur der südliche Abschnitt mit Landstraßen versehen ist. In Zusammenarbeit mit ‚Wildtrax explorations‘ und der ‘University of Botswana’s Okavango Research Institute (ORI)’ werden im Rahmen dieses Praktikumsprogramms Monitoring Daten gesammelt, die später ‘Botswana’s Departement of Wildlife and National Parks (DWNP)’ zur freien Verfügung gestellt werden. Grundlage der verschiedenen Monitoring-Methoden ist das ‘Standardised Wildlife Monitoring Protocol (SNRMP)’, welches vom ‘Southern Africa Regional Environmental Program (SAREP)’ im südlichen Afrika lanciert wurde. In sieben Stunden pro Tag und sechs Tagen die Woche werden die Daten entsprechend dem SRNMP gesammelt.

 

Aufgrund einer vermuteten Abnahme der Herbivorenzahlen im Okavango Delta gewinnen Herbivorentransekte an Bedeutung. Ausgewählte Transektrouten werden jeweils mindestens einmal in der Trockensaison, in der Feuchtsaison und in der Zeit dazwischen befahren. Es handelt sich per Definition um etwa 18 Kilometer lange Routen, die möglichst alle im Gebiet vorhandenen Habitate umfassen. Notiert werden sowohl alle sichtbaren Herbivoren inklusive der entsprechenden Standort- und Aktivitätsbeschreibung, als auch das Geschlecht und Alter derjenigen Herbivoren, die sich innerhalb 50 Metern beidseits der Strasse aufhalten. Diese Prozedur muss mindestens sechs Jahre kontinuierlich durchgeführt werden, um erste Trends bezüglich Individuendichte und Bewegungsmuster aufzeichnen zu können. Interessant ist dabei der Vergleich der Aktivität in den verschiedenen Jahreszeiten über Jahre hinweg.

 

Um Vögel zu zählen, wird die ’spot count’-Methode angewendet. Innerhalb eines ausgewählten Transekts von zwei Kilometern werden alle 200 Meter Punktzählungen getätigt. Sowohl alle sichtbaren Vögel, als auch die Rufe nicht im Sichtfeld befindlicher Vögel werden als Vogelart identifiziert und dementsprechend gezählt. Die Schwierigkeit besteht darin, das gleiche fliegende Individuum nicht zweimal zu zählen. Die Methodik wird für Wasservögel und terrestrische Vögel separat verwendet. Dementsprechend wird die Transektroute mit den passenden Habitaten ausgewählt.

Eine weitere Transekt-Monitoring-Methode ist der Spurentransekt. Hierbei wird entlang einer definierten Strecke von etwa 18 Kilometern nach Fussabdrücken, beispielsweise von Raubtieren gesucht. Besonders auf den Landstraßen selbst können viele Spuren erwartet werden, da sich viele Tiere bekanntlich gerne auf benutzten Wegen, egal ob tier- oder menschgemacht, fortbewegen. Die Anzahl der Spuren pro Transektfahrt ist sehr wetterabhängig. Um Spuren eindeutig einer Tierart zuordnen zu können, darf es in den letzten Stunden nicht zu heftig oder zu viel geregnet haben. Besonders die genauere Geschlechts- und Altersabschnittbestimmung ist zudem von Bodeneigenschaften und Vegetation abhängig. Ist die Strassensubstanz hart oder mit Gras bewachsen, ist eine Aufnahme von möglichen Spuren praktisch unmöglich. Den grössten Störfaktor für eine sinnvolle Spurenaufnahme bilden frische Autospuren, welche jegliche Fussabdrücke von Tieren verwischen. Um eine eindeutige Aussage über Art und Grösse des Tiers zu machen, ist die Kombination verschiedener Merkmale entscheidend. Untersucht wird die spezifische Struktur, die Präsenz von Klauen oder Daumen, sowie die Grösse des Fussabdrucks. Um eine Aussage über die Aktivität des Tiers zu machen, misst man den Abstand zwischen zwei aufeinander folgenden Abdrücken des gleichen Fusses. Je weiter die Abstände, desto schneller dürfte das Tier unterwegs gewesen sein.

 

Eine immer grössere Bedeutung kommt der Monitoring-Methode mittels Kamerafallen zu. Insgesamt 25 Kamerafallen befinden sich im befahrbaren Teil der Khwai Konzession. Es handelt sich um batteriebetriebene Kameras mit eingebautem Bewegungssensor und Blitzlicht. Somit ist eine zeitlich kontinuierliche Tag- und Nachtaufnahme vieler Tiere möglich. Die Standorte der Kameras sind auf einer digitalen Karte markiert. Dies ermöglicht eine effiziente, ökonomische Planung der Fahrt und eine präzise Navigation mithilfe eines GPS. Die Kameras werden auf menschlicher Kniehöhe respektive auf Augenhöhe der meisten Tiere an Baumstämmen befestigt. Ideale Standorte sind Bäume, die sich nahe an einer Landstrasse oder an einem häufig genutzten, tiergemachten Weg (game trail) befinden. Um einen repräsentativen Gesamteindruck der Fauna zu erhalten, werden die Kamerafallen in allen vorherrschenden Habitaten gleichermassen verteilt. In zeitlichen Abständen von zwei Wochen werden Batterien und Speicherkarten ausgetauscht, sowie die Kameraeinstellungen überprüft.

 

Um Hunderte Bilder von flatterndem Gras zu vermeiden, müssen die Gräser im Bereich der Aufnahme regelmässig gekürzt werden. Die verwendeten Speicherkarten werden daraufhin für die Analyse am Computer angeschlossen. Hierfür werden zunächst alle Bilder entsprechend der Kameranummer sortiert. Im zweiten Schritt werden alle Aufnahmen analysiert. Eine Aufnahme mit der Anzahl Individuen, die eindeutig einer Tierart zugeordnet werden kann, wird in den entsprechenden Ordner (Tierart  Anzahl Individuen) befördert. Besondere Aufmerksamkeit wird den gefährdeten Herbivorenarten zugerechnet. Individuen dieser Spezies werden extra in einer Excel-Tabelle vermerkt. Die Raubtiere werden gleichermassen aufgelistet und deren Aufnahmen zudem für die genauere Individuumidentifikation weiterverwendet. Spezifische Geschlechts- und Altersmerkmale (unterteilt in adult, sub-adult und juvenil) helfen dabei, das Individuum grob in Gruppen einzuteilen. Um zu untersuchen, ob es sich bei zwei verschiedenen Aufnahmen einer Tierart um das selbe Individuum handelt, sind Fellmustervergleiche unerlässlich. Ein eindeutig identifiziertes Individuum einer Tierart wird schliesslich mit einer eindeutigen Kennnummer versehen.


 

Die Methodik ’Focal animal sampling’ beschäftigt sich mit der Frage, wie lange ein bestimmtes Individuum was macht in einer gegebenen Zeitspanne von beispielsweise zehn Minuten. Mithilfe eines Feldstechers werden jegliche Veränderungen des Verhaltens eines einzelnen Individuums beobachtet und entsprechend notiert. Je Änderung der spezifischen Aktivität wird die entsprechende Zeiteinheit in Sekunden angegeben. Nebst der Grobeinteilung Nahrungsaufnahme, Laufen, Fliegen, Kauen etc. werden simultan auch punktuelle Aktivitäten wie beispielsweise Kratzen oder Schwanz schwingen gezählt. Die eigentliche Schwierigkeit dieser Methodik ist, eine sinnvolle Auflistung aller möglichen Aktivitäten des spezifischen Individuums zu schaffen und diese mit eindeutigen Initialen zu versehen, sprich einen Schlüssel zu erstellen, der für alle verständlich ist. Zu vermeiden sind mögliche Überlappungen von zwei verschiedenen Aktivitäten. Wenn ein Individuum läuft und dabei kaut, dann sollte hierfür ein eindeutiger Begriff wie ’laufen mit kauen’ verwendet werden, damit diese Aktivität eindeutig von ’laufen ohne kauen’ unterschieden werden kann.

 

Mit der Methodik ’Scan sampling’ werden die Aktivitäten aller sichtbaren Individuen einer Tierart in gegebenen Zeitpunkten (Minuten 0,2,4,6) notiert. Es handelt sich um eine relative Sampling-Methode. Die Frage lautet, wie viele Individuen derselben Tierart zu einer bestimmten Zeit dasselbe tun. In die Datenaufnahme fliessen weder die Aktivitäten zwischen den definierten Zeitpunkten, noch das absolute Verhaltensmuster der einzelnen Individuen. Bei der Methodik ’Spacing Behaviour’ werden die Abstände (in Metern) aller sichtbaren Individuen zum nächsten Nachbarn (’nearest neighbour’) derselben Tierart zu gegebenen Zeitpunkten (beispielsweise Minuten 0,3,6) geschätzt und entsprechend notiert. Auch hierbei handelt es sich um eine relative Aufnahme der Verhaltensmuster. Die Frage lautet, wie viele Individuen derselben Tierart zum bestimmten Zeitpunkt wie weit vom nächsten Nachbarn entfernt sind.

 

Die Methoden werden fortlaufend nachjustiert, um einerseits die Aufnahme der Daten zu vereinfachen und andererseits deren Informationsgehalt zu erhöhen. Um die Untersuchungen durchführen zu können, benötigt es Kenntnisse über die Biodiversität des Okavango Deltas. Vor allem das Wissen über Aussehen, Geschlechts- und Altersmerkmale, Spuren und Rufe der häufigsten Tiere wird laufend angeeignet. Zudem werden die Habitattypen erlernt. Sehr wichtig sind nicht zuletzt Kontakte zu Communities und Spurensuchern innerhalb und ausserhalb der Konzession. So werden neue Erkenntnisse in der Forschungsarbeit effizient ausgetauscht.

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