Erfahrungsberichte Freiwilligenarbeit in den USA – Anja

North Carolina

Volunteering USA

Zuerst möchte ich sagen, dass ich eine wunderbare Zeit mit NATUCATE in North Carolina hatte und falls du die Natur und das Leben im Freien liebst und keine Angst hast vor harter Arbeit, bei der man auch mal schmutzig werden kann, und wilden Tieren wie Schwarzbären, Schlangen, Zecken und Mosquitos, dann kann ich dir diese Freiwilligenarbeit im Südosten der USA sehr ans Herz legen.

Insgesamt habe ich sechs Wochen im Sommer an dem Projektstandort verbracht und obwohl es meistens sehr heiß war (manchmal sogar unerträglich heiß), bereue ich keine einzige Sekunde und bin dankbar, dass ich einen Beitrag zum Schutz der Natur leisten durfte. Ich habe wirklich viel gelernt während meiner in North Carolina und unglaublich nette Menschen getroffen, zum Großteil Muttersprachler in Englisch, was meinen sprachlichen Fähigkeiten sehr gut getan hat. Durchschnittlich 12 Stunden pro Tag wurden im Freien verbracht, was vor allem für jemanden wie mich, der die letzten fünf Jahre quasi nur am Schreibtisch gesessen hat, einfach großartig war. Auch wenn die Arbeit hart und anstrengend ist, so ist es doch eine Belohnung zu sehen, was man am Ende des Tages alles geschafft hat, etwas, auf das man stolz sein kann. In Zusammenarbeit mit den anderen Freiwilligen kann man wirklich etwas vor Ort bewirken und einen wertvollen Beitrag zum dortigen Naturschutz leisten.

 

Meine erste Woche in Asheville war ziemlich entspannt. Wir hatten ausreichend Zeit uns einzurichten und uns gegenseitig kennenzulernen. Die Projekt-Mitarbeiter waren sehr freundlich und zuvorkommend und halfen uns dabei uns am Projektstandort zu orientieren. Sie waren für alle Fragen offen und sehr geduldig, insbesondere gegenüber denjenigen, deren Englisch noch nicht sehr flüssig war.

Mein erstes richtiges Projekt war ein Projekt, in dem es darum ging, einen Ziegenzaun in einem naturhistorischen Gebiet aufzustellen. Dabei montierten wir den alten, rostigen Zaun ab und bauten einen neuen, funktionsfähigen Zaun auf. Das hat großen Spaß gemacht, nicht nur wegen der vielen Ziegen, die um uns herum hüpften, sondern auch wegen der schönen Arbeitsatmosphäre. Unter anderem lernten wir wie man neue Zäune befestigt, wie man alte Nägel entfernt und aus welchem Holz die Zaunpfähle bestehen.

Zwischen dem ersten und dem zweiten Projekt hatten wir eine „faule“ Woche, wie ich es gerne nenne. Den Großteil der Zeit verbrachten wir mir Wandern und einmal besuchten wir das Western North Carolina Nature Centre, was einfach umwerfend war. Während des zweiten Projektes verbrachten wir die Zeit mit dem AmeriCorps-Mitarbeiter auf einem Campingplätzen mitten in der Wildnis, kochten draußen, badeten im Fluss und schliefen in Zelten.

Jeden Morgen mussten wir etwa 40 Minuten bergauf zu unserem Arbeitsplatz wandern. Auch wenn es am Anfang eine Herausforderung war, so wurde es mit der Zeit doch leichter und leichter und irgendwann hat mir unsere morgendliche Routine richtig Spaß gemacht.

In diesem Projekt habe ich gelernt, wie man Regenwasserabläufe für Wanderwege baut und man spezielle Bohrer benutzt, um Wanderwege zu erweitern. Nach kurzer Zeit habe ich mich an die vielen nützlichen (aber schweren) Werkzeuge gewöhnt, die wir für unsere Tätigkeiten brauchten. Die Arbeit auf den Wanderwegen hat mich manchmal an Gartenarbeit erinnert, nur ein bisschen gefährlicher, da man vorsichtig sein musste, nicht von der Abbruchkante zu fallen.

Im dritten und vierten Projekt drehte es sich hauptsächlich um invasive Pflanzen und Methoden wie man diese am besten beseitigen kann. In dem ersten der beiden Projekte erlernten wir den sachgereichten Umgang mit Herbiziden und Pestiziden. Der Vorteil des Standortes war, dass wir jeden Abend zu unserer Unterkunft fahren und eine heiße Dusche nehmen konnten. Das war nicht zuletzt auch deshalb gut, weil das Gebiet, in dem wir arbeiteten voll mit Zecken war. Doch weder die Zecken noch die schweren Herbizidflaschen, die wir auf dem Rücken tragen mussten und die bis zu 14 Liter Flüssigkeit fassten, konnten unsere Laune trüben. Zu den erlernten Techniken gehörte beispielsweise die verbreitete „cut and paint“ Methode, bei der invasive Baumarten gefällt werden und der abgesägte Stumpf sogleich mit der Herbizidlösung bepinselt wird. Überhaupt habe ich während dieser Zeit viel über die Zusammensetzung und das Mischen von Chemikalien sowie die Biologie invasiver Pflanzen, vor allem aus Asien gelernt und wie man diese so entfernt, ohne die einheimische Flora zu zerstören.

Während des zweiten Projektes, in dem es sich um invasive Pflanzenarten drehte, bauten wir unser Zeltlager direkt im Chimney Rock State Park auf, ein atemberaubender Ort, der ein ideales Motiv für viel schöne Fotos bietet. Da es keinen offiziellen Campingplatz gab, lag unser Zeltlager direkt im Wald, wo wir uns nach einem Tag langer und harter Arbeit in der Hitze in dem nahegelegenen Fluss abkühlen konnten.

Ich wurde von Bienen und Mosquitos gestochen, von Sandflöhen gebissen und einmal wäre ich fast auf eine Wald-Klapperschlanhe getreten, aber trotz allem habe ich die Zeit dort geliebt und hätte sich um nichts in der Welt verpassen wollen.

 

Während meiner Zeit habe ich unglaublich tolle Menschen kennengelernt, mit denen ich immer noch in Kontakt stehe und hoffentlich noch lange stehen werde. Alle waren so nett und freundlich und stets bemüht, unseren Aufenthalt so erinnerungswürdig wie möglich zu machen. Unsere Gruppenleiter (Jon, Zak, Krishun und gelegentlich sogar Adam) waren sehr professionell, freundlich und sehr hilfsbereit. Ich hätte mir keine besseren Gruppenleiter und Crewmitglieder vorstellen können. Obwohl unser Team-Koordinator Adam immer sehr beschäftigt war, nahm er sich die Zeit und ging mit uns auf Wanderungen und lud uns einmal sogar ins Naturcentrum ein. Jederzeit konnten wir mit Fragen und Problemen zu ihm kommen und er war immer motiviert eine Lösung zu finden, um unsere Zeit im Projekt so angenehm wie möglich zu machen. Auch wenn die Lebenshaltungskosten dort nicht sonderlich teuer sind, so würde ich doch nicht von „günstig“ sprechen, da man berücksichtigen muss, dass man als internationaler Freiwilliger für die Arbeit vor Ort Geld bezahlen muss.

 

Nichtsdestotrotz kann ich die Freiwilligenarbeitsprojekte von NATUCATE in North Carolina nur wärmstens empfehlen und würde immer wieder daran teilnehmen. Nach meinem Aufenthalt in den USA kann ich sagen, dass ich mich rundum besser fühle, nicht nur weil ich geholfen habe, die Natur, die Landschaft und die dort lebenden Tiere zu schützen, sondern weil ich gelernt habe bestimmte Dinge wieder zu wertschätzen. In unserem technologiegeprägten Leben vergessen wir manchmal, was es bedeutet, ohne all die alltäglichen Luxusgüter und Annehmlichkeiten zu leben. Es fühlt sich buchstäblich wie eine Reinigung von Körper und Seele an, hinaus in die Natur zu gehen, anderen zu helfen und an die Ursprünglichkeit des Lebens erinnert zu werden.

Ich bin sehr glücklich die vergangenen sechs Wochen in meinen Erfahrungsschatz aufnehmen zu können. Darüber hinaus bin ich froh, dass ich zwischen den Projekten genug Zeit zum Reisen hatte, da die Natur, Landschaft und Städte im Südosten der USA einfach wunderbar sind. Jeder und jede sollte die Möglichkeit haben, diese Erfahrungen selbst zu machen.

Danke an alle, die Teil dieser tollen Zeit waren!

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