Einfach wieder (an) kommen?! –
Rückkehr aus dem Sabbatical

Katharina Grau reiste von Ende 2009 bis Mitte 2010 mit dem Rucksack durch Indien, Südostasien, Australien und Neuseeland. Im Anschluss nahm sie ihren Job als Beraterin für PR und Marketing in einer Agentur in Hamburg wieder auf. Ende 2011 ging es wieder los, sie verbrachte knapp zwei Jahre in Süd- und Zentralamerika. Die 35-Jährige ist heute als systemischer Coach tätig. Themen sind u.a. Begleitung von Sabbaticals, Veränderungsprozesse und Profilstärkung im Beruf. Sie moderiert außerdem Teamworkshops und Führungskräfte-Veranstaltungen zu den Themen Motivation, Gesundheit und Kommunikation. Sie weiß, dass es nach einem längeren Auslandsaufenthalt eine große Herausforderung sein kann, wieder richtig zuhause anzukommen. Wichtig sei, sich auf die innere Stimme zu konzentrieren.

„Wir wissen meistens ganz genau, was wir benötigen, um uns wohlzufühlen und um (wieder) anzukommen. Häufig halten uns aber zum einen der Fokus auf die äußeren Umstände, wie zum Beispiel der berufliche Kontext, oder zum anderen alte Glaubenssätze davon ab, auf diese innere Stimme zu hören.“

Paradox daran ist, dass die meisten Menschen, die sich alleine in die Fremde aufgemacht haben, sei es für die Arbeit oder im Rahmen eines Sabbaticals, konstant mit der Frage nach den eigenen Bedürfnissen beschäftigen: Wo komme ich unter? Woher bekomme ich meine nächste Mahlzeit? Mit wem kann ich mich anfreunden, ein soziales Umfeld entwickeln? Herausgenommen aus dem vertrauten Umfeld – sprichwörtlich runter vom Sofa, rein in die Welt – lernen wir neben neuen Kulturen, Sprachen, Gerüchen, Gerichten und Menschen vor allem uns selbst und unsere Bedürfnisse kennen. Denn egal wie weit wir reisen – wir nehmen uns ja selbst überall mit hin.

Umso interessanter ist es, dass viele Langzeitreisende oder beruflich entsandte Expats von großen Schwierigkeiten berichten, sich wieder in der alten Heimat einzugewöhnen. Eigentlich müssten wir doch gerade jetzt ganz genau wissen, was wir brauchen und was uns gut tut?

Aus eigener Erfahrung und vielen Gesprächen mit Reisenden und Expats hat Katharina eine Liste von Ideen zusammengestellt, die ihr selbst und anderen beim Wiedereinstieg ins neue/alte Leben geholfen haben. Davon möchten wir hier zwei kurz vorstellen. Das eine Erfolgsrezept gibt es Katharinas Meinung nach jedoch nicht. Ist es doch eine Typ-Frage, wie sehr man die Rückkehr plant und vorbereitet.

1. Bucket-List für Zuhause

Beim Reisen und bei längeren Auslandsaufenthalten ergeben sich unweigerlich neue Perspektiven. Sie schärfen den Blick und erweitern den Horizont. Häufig entsteht der Wunsch, sich etwas von dem Lebensgefühl oder der Lebensweise der Reise mitzunehmen.

Do: Eine Notiz im Tagebuch machen oder eine an sich selbst adressierte Email versenden mit einer Liste aller Dinge, die man auch in Deutschland (weiter-)machen möchte. Das kann helfen, die Erinnerung an bestimmte liebgewonnene Erfahrungen und Verhaltensmuster vom Auslandsaufenthalt mit in die Heimat zu nehmen.

Don‘t: Nicht zu hart mit sich sein, wenn nach einigen Jahren nur an wenigen Dingen auf der Liste ein Haken zu sehen ist. „Ich weiß auch nicht, was nur aus meinen Projekten ‚Guerilla Gardening in meiner Straße‘ und ‚Nachbarschafts-Tauschbörse organisieren‘ geworden ist. Immerhin ist aus ‚regelmäßige Bewegung draußen in der Natur‘ ein ‚einigermaßen regelmäßige Bewegung‘ geworden.“

2. Zeit nehmen für Abgleich und Austausch

Gehe ich zurück in meinen alten Job? Kann ich mir einen Arbeitsplatzwechsel innerhalb des Unternehmens vorstellen? Oder bin ich auf der Suche nach einer ganz neuen Herausforderung? Wie schon gesagt: Neue Perspektiven bringen neue Ideen. Wer weiß schon, was man nach seiner Auszeit will? – vielleicht ganz andere Dinge, als man sich jetzt vorstellen kann. Ein Abgleich mit sich selbst oder auch im Austausch mit anderen kann helfen.

Do: Sich Zeit nehmen, um immer mal wieder auf diesen Fragen herumzudenken auf der einen Seite. Aber auch: Ideen (auch die verrückten) einfach mal laut aussprechen und im Gespräch mit verschiedenen Alternativen herumspielen – egal, ob mit einer Freundin, einem Kollegen oder mit einem professionellen Coach oder Berufsberater. Wichtig ist es auch: so viele Informationen sammeln, wie möglich. Erst mit einem Koffer voller Informationen können wir mit gutem Gefühl auf unserem Weg voranschreiten.

Don’t: Eine schnelle Lösung finden wollen. Das beste Geschenk, das man sich bei diesem Prozess machen kann, ist Geduld. Alles hat seine Zeit.

Katharina Grau – Auf dem Weg. Coaching & Kommunikation: www.katharinagrau.com

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