Verhalten der Afrikanischen Wildhunde

Fortpflanzung

Afrikanische Wildhunde leben in Rudeln, die üblicherweise von einem monogam lebenden Paar angeführt werden – dem Alphamännchen und dem Alphaweibchen. Um die Welpen der Alphatiere kümmert sich das ganze Rudel und üblicherweise haben sie ältere Geschwister, die über sie wachen und sie füttern.

Jungtiere entwickeln eine starke Bindung zu weiblichen Verwandten, die sich bis in das Erwachsenenalter hin behauptet. Die Fellpflege bedingt die Ausschüttung von Endorphinen, was Freude und Entspannung hervorruft. Ich habe einige Zeit damit verbracht, einem Muttertier bei der Fellpflege ihres Nachkommens zuzusehen. Anfangs habe ich erwartet, dass das Jungtier aufspringen und davonflitzen würde, um mit den anderen jungen Raufbolden zu spielen, die um uns herum rannten. Er schien die Massage jedoch durch und durch zu genießen.

Ernährung

Während der Rest des Rudels zur Jagd aufbricht, bleibt ein ausgewachsener Wildhund bei den Welpen zurück. Nachdem die Jäger ihre Beute verzehrt haben, kehren sie zurück, um die Jungtiere zu füttern. Bei der Ankunft betteln die Welpen die erwachsenen Tiere an und ermutigen sie durch eine Mischung aus Quietschgeräuschen und Aufregung dazu, den Fang wieder zu erbrechen. Auf diese Weise kommen ganze Brocken wieder als Mahlzeit für die Jungtiere zum Vorschein. Wenn der Ort der Erlegung in der Nähe war, bringen die erwachsenen Tiere auch ganze Fleischstücke zurück zu den Welpen. Die Tiere, die als Wache zurückgelassen wurden, tauschen oft mit den Rückkehrern und fressen sich satt.

Wechselnde Quartiere

Die Wurfzeit der Afrikanischen Wildhunde findet zum Ende der Brunftsaison der Impalas im Mai statt. Wenn die Zahl der Jungtiere der Impalas im November zurückgeht, ziehen die Welpen mit dem Rudel um und erlernen das Jagen. Das Timing dieser Ereignisse scheint mehr als nur ein zufälliger Vorteil für die jungen Anfänger zu sein.

Wieso wechseln Afrikanische Wildhunde ihr Quartier?

Während der Zeit, in der die Jungtiere in geschützten Quartieren geboren werden und aufwachsen (zumeist eine Höhle im Boden oder ein Felsspalt), wechseln die Tiere dieses Quartier einige Male. Begründet ist dieses Verhalten vor allem durch die Präsenz anderer Raubtiere in der Umgebung, die eine mögliche Gefährdung für das Rudel und die Welpen darstellen. Ein weiterer Grund ist vor allem die Vermeidung von Parasitenbefall – darunter im Besonderen durch Flöhe. Wildhundewelpen bleiben bis zu einem Alter von vier Monaten in einem geschützten Quartier. Ab diesem Alter sind sie groß und stark genug, um sich frei mit dem Rudel zu bewegen.

Anfälligkeit der Afrikanischen Wildhunde für Fallen

Der Großteil des Wildlebens auf unserem Planeten ist in ländlichen Gebieten zu finden. Wilderei und illegaler Fleischhandel ist in Afrika weit verbreitet und das Fallenlegen ist dabei eine vielfach angewandte Methode. Fallenlegen ist illegal in Südafrika. In den meisten Fällen sind Antilopen das Ziel der Jäger, jedoch geraten stattdessen oftmals bedrohte Wildtiere in die Fallen und werden dabei tödlich verletzt.

„Afrikanische Wildhunde halten zusammen“, sagt Artenschutzexperte Chris Kelly. „Wenn ein Mitglied des Rudels in einer Falle gefangen ist, werden die anderen immer zu ihm zurückkehren. Das führt allerdings dazu, dass weitere Wildhunde in Fallen geraten“. Sollten ausreichend Fallen in einem Gebiet ausgelegt worden sein, kann es vorkommen, dass ein ganzes Rudel auf diese Weise getötet wird. In Südafrika verbleiben nur knapp 450 Afrikanische Wildhunde. Eine Zahl, die rasch schrumpft, wenn wir aufhören sie zu überwachen und zu schützen.

Die Afrikanischen Wildhunde zu verstehen ist eine Sache, aber die optimale Erhaltungsmaßnahme ist es der Natur ihren Weg zu lassen und den Wildhunden lediglich ausreichend Platz und passende Habitate zur Verfügung zu stellen, in denen sie leben können. Das Verhalten von Afrikanischen Wildhunden ist einzigartig in Bezug auf ihre Gewohnheiten, ihre Rudelstruktur und die soziale Dynamik, doch weil es oft Missverständnisse gibt, erhalten sie leider oft nicht die Unterstützung, die sie brauchen.

Unzählige Spezies wurden über die Jahre durch die Menschheit und dabei vor allem durch Verfolgung, Krankheitsausbrüche und die Aufteilung von Land ausgelöscht. Mit dem Schrumpfen der Wildgebiete und der wachsenden Weltbevölkerung verschlimmert sich die Situation der Wildhunde und auch anderer Spezies zunehmend“, sagt Kelly. Wir müssen nicht nur das Verhalten der Afrikanischen Wildhunde verstehen, sondern uns ebenfalls bemühen neue Gebiete für sie einzurichten, um ihnen eine Zukunft ermöglichen zu können.

Erstveröffentlichung: Galen Schultz | Autor Originaltext: 30. November 2015

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