Neuseeland: Die Insel am Ende der Welt

Es kommt nicht von ungefähr, dass der Filmregisseur Peter Jackson sein Heimatland Neuseeland als Hauptszenerie für die Romanverfilmungen von „The Lord of the Rings“ gewählt hat. Lange, schneebedeckte Gebirgszüge, grüne Täler, saftige Urwälder, düstere Moorlandschaften, gigantische Gletscher, sprudelnde Geysire, lodernde Vulkane und eine in jeder Hinsicht einzigartige Artenvielfalt bringen einen in ein Land vor unserer Zeit zurück. Wirft man einen Blick auf die Weltkarte, so liegt die Doppelinsel Neuseelands am äußersten rechten Rand. Von Europa aus gibt es fast keinen anderen Punkt auf der Welt, der weiter entfernt liegt. Würde man keines Besseren belehrt, so könnte man dieses Land leicht für das Ende der Welt halten.

Neuseeland trennte sich vor circa 80 Millionen Jahren, früher als alle anderen Kontinente, vom Superkontinent Gondwana ab. Heute lässt es sich weder geografisch noch kulturell eindeutig einem Kontinent zuordnen. Der im südlichen Pazifik gelegene Inselstaat ist geografisch völlig isoliert und umfasst insgesamt eine Landfläche von 268.680 Quadratkilometern. Neuseeland besteht aus der Nord- und der Südinsel, die durch die (an der schmalsten Stelle 23 Kilometer breite) Cookstraße getrennt werden. Dazu kommen mehr als 700 kleinere Inseln, wie beispielsweise die Great-Barrier-Insel oder Waiheke Island. Die neuseeländische Nordinsel ist dichter besiedelt. Auf ihr leben ca. ¾ der gesamten Einwohner Neuseelands. Dort befinden sich die Hauptstadt Wellington und die größte Stadt Auckland – die City of Sails.

Vor allem die Südinsel des Landes zeichnet sich durch lange Gebirgsketten, tiefe Täler, zerklüftete Küsten, dichte Regenwälder und breite Fjorden aus. Die Nordinsel wird eher von weiten Hügellandschaften, weißen Sandstränden und dem sogenannten vulkanischen Plateau im Zentrum geprägt.

Der landschaftliche Ursprung des Landes ist zum einen auf glaziale Prägungen aus verschiedenen Eiszeiten und zum anderen auf die Lage des Landes am Rand zweier tektonischer Kontinentalplatten, der Australischen und der Pazifischen Platte, zurückzuführen. Die zwei Platten gleiten aneinander vorbei und bewegen sich gleichzeitig aufeinander zu. Bei ihrem erstmaligen Aufeinandertreffen vor Millionen von Jahren überlagerten sich die beiden und es entstand eine Auffaltung der Erdkruste, die sogenannte alpine fault (alpine Verwerfung), die mitten durch Neuseeland verläuft und sich in die Southern Alps auf der Südinsel und die Hochplateaus auf der Nordinsel aufteilt. Die stetige Plattenbewegung sorgt für starke vulkanische Aktivität und häufige Erdbeben auf beiden Inseln. Seit jeher leben die Menschen auf Neuseeland mit der Gewissheit, dass mehrmals am Tag die Erde bebt. Das letzte schwere Erdbeben ereignete sich im Februar 2011 nahe der Stadt Christchurch auf der Südinsel und führte neben zahlreichen Toten zu hohen Sach- und Landschaftsschäden.

Die frühe Isolation der Insel erklärt die endemische Flora und Fauna. Etwa 85% der Pflanzen auf Neuseeland sind nur hier beheimatet. Es gibt mit Ausnahme von drei Fledermausarten natürlicherweise keine anderen landlebenden Säugetiere. Dadurch haben Vögel wie der Kiwi oder der Kakapo ökologische Nischen eingenommen, die normalerweise nur von Säugetieren belegt werden: Sie sind flugunfähig und bewegen sich ausschließlich laufend fort. Mit der Entdeckung Neuseelands durch die Europäer im Jahr 1642 wurden Katzen, Hunde und Ratten eingeschleppt, die heute die Bestände von Kiwi und Kakapo ernsthaft gefährden. Auf Grund vielfältiger Schutzprojekte ist es inzwischen gelungen, die noch existierenden Bestände von Kiwi und Kakapo zu stabilisieren, jedoch werden die beiden Arten in Zukunft vermehrt vom Klimawandel und den damit verbundenen Veränderungen ihrer Umwelt betroffen sein.

Eine kulturelle Besonderheit Neuseelands ist die lange Geschichte der indigenen Bevölkerung, der sogenannten Maori. Ihr Anteil macht etwa 14,6% der neuseeländischen Gesamtbevölkerung aus und ihre jahrhundertealten Traditionen sind an verschiedenen Orten auf beiden Inseln Neuseelands erlebbar. Minderheitenrechte sind weitgehend gewährleistet und haben einen Großteil der maorischen Bevölkerung in die neuseeländische Gesamtbevölkerung integriert. Ein immer noch weit verbreitetes Merkmal der Maori ist die umfassende Tätowierung des Gesichtes, die als persönliche Identifikation sowie Indikator für den sozialen Rang und Autorität fungiert.

Bei einem Besuch Neuseelands, zum Beispiel im Rahmen einer Freiwilligenarbeit mit NATUCATE, sollte man unbedingt die Möglichkeit nutzen, verschiedene Teile der Insel zu erkunden, um einen Eindruck von der kulturellen, landschaftlichen und natürlichen Vielfalt dieses faszinierenden Landes zu bekommen.

Autor: David Pyka NATUCATE

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