Koalas: Die Feinschmecker aus dem Eukalyptuswald

Der Koala (Phascolarctos cinereus) ist neben dem Känguru eines der berühmtesten Tiere Australiens. Er ist das Nationalsymbol des Landes und steht wie kaum ein anderes Tier für die Gefährdung vieler heimischer Arten auf dem exotischen Kontinent.

Der Koala ist ein 61 bis 85 cm großer und 4 bis 14 kg schwerer, baumbewohnender Beutelsäuger. Sein Körpergröße und Proportionen hängen von Alter, Geschlecht, Ernährung und Verbreitungsgebiet ab. In kühleren Klimaregionen lebend erreichen Koalas größere Körpermaße und haben ein dunkleres und dichteres Fell als das von Tieren in wärmeren Regionen. Trotz dieser Anpassungen gibt es auch Ausnahmen. Das Fell des Koalas ist allgemein bräunlich-silbergrau und sehr wollig. Bei Regen ist es wasserabweisend und stellt damit eine ideale Anpassung an feuchtere Gebiete dar. Seine scharfen, langen Krallen ermöglichen ihm, sich sicher in den Baumkronen fortzubewegen, in denen er den Großteil des Tages verbringt. Die großen Ohren und die ausgeprägte Nase verleihen dem nachtaktiven Tier sehr feine Sinne, die für das Aufspüren geeigneter Nahrung, die Reviermarkierung, Schutz vor Feinden und die Partnersuche von essentieller Bedeutung sind. Besonders charakteristisch ist die Ernährungsweise des Koalas.

Seine Nahrung umfasst ausschließlich Eukalyptusblätter, -rinde und -früchte; die Auswahl geeigneter Pflanzen erfolgt sehr vorsichtig, da alle Eukalyptusarten Giftstoffe enthalten. Diese sind zwar auch für den Koala schädlich, können aber in niedrigen Konzentrationen toleriert werden. Von den rund 500 in Australien vorkommenden Eukalyptusarten trifft dies auf nur etwa 70, lokal sogar nur 5 bis 10 Arten zu. Bei der Wahl der Nahrung pflücken Koalas zuerst Blätter von verschiedenen Eukalyptusarten und beschnuppern sie danach eingehend. Danach wird eine Kostprobe genommen, die es den Tieren ermöglicht zu entscheiden, ob die getestete Art verzehrbar ist oder nicht.

Das Gebiss der Koalas ist ideal an den Verzehr der Eukalyptusblätter angepasst, da die Backenzähne die Blätter nicht nur zermahlen, sondern auch zerschneiden und zerreißen. Dadurch werden sie regelrecht entsaftet, sodass letztlich ein feuchter Blattbrei entsteht.

Koalas trinken sehr selten. Ihren Flüssigkeitsbedarf decken sie zum Großteil aus den wasserreichen Eukalyptusblättern. Interessanterweise stammt der Begriff „Koala“ aus der Sprache der Aborigines und bedeutet so viel wie „ohne Wasser“.

Koalas verfügen über ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Dieses wird bestimmt von Hierarchien innerhalb der Gruppe und Revierkämpfen. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Tieren erfolgt über eine Reihe von Lautgeräuschen. Diese sind vor allem nachts zu hören. Sie dienen der Warnung vor Fressfeinden, aber auch dem Paarungs- und Revierverhalten.

Durch Bejagung wegen seines weichen Fells wurde der Koala im 20. Jahrhundert stark dezimiert. Heute steht er unter strengem Naturschutz, sodass sich vor allem in Queensland stabile Populationen etablieren konnten. Auf Kangaroo Island, auf der Koalas künstlich angesiedelt wurden, musste die stark wachsende Population sogar wieder dezimiert werden. Trotz der sich erholenden Bestandssituationen wird der Koala aller Voraussicht nach eine der vom Klimawandel stark betroffenen Arten sein. Im Rahmen der NATUCATE-Freiwilligenarbeit in Australien hat man die Chance, Koalas in freier Wildbahn zu beobachten.

Quelle: Ann Sharp: The Koala Book. Australian Koala Foundation. Pelican Publishing, Gretna La 1995

Autor: David Pyka – NATUCATE

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