Das Imageproblem der Hyänen

Zugegeben, sie sind nicht gerade die beliebtesten Tiere der Afrikanischen Savanne. Lauscht man Gesprächen über Hyänen, dann fallen vor allem Begriffe wie „hässlich“, „feige“, „hinterlistig“ und „skrupellos“. Aber was ist dran an dem negativen Image dieser oft unterschätzten Tiere?

Hyänen spielen eine wichtige Rolle in vielen Ökosystemen Afrikas. Ihre enorm starken Kiefer und ihr sehr saurer Magensaft können fast alles Tierische verdauen. Als Aasfresser erfüllen sie eine unverzichtbare Rolle beim Beseitigen von Tierkadavern und somit bei der Prävention von Seuchen. Durch das Fressen und Verdauen von Tierknochen recyceln Hyänen zudem Calcium und führen es zurück in die Umwelt, wo es von anderen Lebewesen genutzt werden kann. So fressen zum Beispiel Landschildkröten den Kot von Hyänen, um das darin enthaltene Calcium aufzunehmen und ihre Panzer zu stärken.

Wenn Hyänen jagen, dann konzentrieren sie sich vor allem auf alte und kranke Beutetiere. Dies stärkt Tierherden und reguliert ihre Populationsdichte. Sie schaden also keineswegs der Umwelt und anderen Tierarten, sondern leisten vielmehr einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht.

Hyänen haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten, das auf matriarchalen Strukturen mit engen Bindungen zwischen Weibchen beruht. Das Säuge- und Schutzverhalten gegenüber ihrem Nachwuchs ist sehr stark ausgeprägt. Jungtiere bleiben lange Zeit im unterirdischen Bau, bevor sie das erste Mal mit der Mutter auf Erkundungstour gehen.

Interessant ist, dass die Geschlechter der Hyänen nur schwer zu unterscheiden sind, da sowohl Männchen als auch Weibchen einen Penis zu haben scheinen. Tatsächlich ist der vermeintliche Penis des Weibchens aber eine verlängerte Klitoris und der Hodensack eine angepasste Schamlippe. Diese Anpassungen sind vermutlich auf einen erhöhten Testosteronspiegel während des Embryonalwachstums der Tiere zurückzuführen. Dies ermöglicht es den Weibchen Durchsetzungsfähiger gegenüber den Männchen zu sein und sich ihnen überzuordnen.

Was ist nun aber dran, an dem Vorwurf, Hyänen seien Feiglinge? Ungeachtet der Frage, ob es angemessen ist, menschliche Maßstäbe an Tiere anzulegen, kann man bei Hyänen kaum davon sprechen, dass sie feige sind, da sie es mit Ausnahme vom Löwen mit beinahe jedem anderen Raubtier aufnehmen würden. Zwar schleichen Hyänen gerne um Löwen herum, die gerade eine Beute erlegt haben, um auch ein Stück vom Kuchen abzubekommen, aber vielleicht ist dies eher clever als feige.

Ob Hyänen nun hässlich sind oder nicht, das sei dem Betrachter überlassen. Schönheit ist bekanntlich relativ. Die Aufgabe des Naturschutzes ist es, alle Spezies zu schützen und ihre Bedeutung im komplexen Gefüge der Lebensgemeinschaften zu verstehen. Hyänen sind wichtige und interessante Tiere, die für die Ökosysteme, in denen sie vorkommen, unverzichtbar sind.

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