Fellpflege - Ich pflege Dein Fell wenn Du meins pflegst

Viele Tiere mit einer sozialen Struktur betreiben gegenseitige Fellpflege – eine Tätigkeit, die als sozial bekannt ist und einvernehmlich geschieht. Bei Primaten dient die gegenseitige Fellpflege zwei wesentlichen Zielen; der Hygiene und der Pflege sozialer Bindungen.

Die Grünmeerkatzen verbringen mehrere Stunden täglich damit, Parasiten, Schmutz und andere Verunreinigungen aus dem Fell des Anderen zu beseitigen. Studien haben ergeben, dass die Tiere viel Zeit darauf verwenden, das Fell des anderen Affen vor allem an den Stellen zu reinigen, die schwer zu erreichen sind. Darüber hinaus hat die gegenseitige Fellpflege einen positiven Effekt auf die Gesundheit der Tiere.

Im sozialen Bereich spielt die Fellpflege eine wichtige Rolle im Aufbau und der Aufrechterhaltung von Bündnissen, Paarbindung, hierarchischen Strukturen, dem Teilen von Ressourcen, der Unterstützung bei Konflikten und dem Schutz der Jungtiere. Studien haben gezeigt, dass Oxytocin (das „Vertrauens-/Kuschelhormon“) an der Bildung dieser sozialen Bindungen beteiligt ist. Einem erhöhten Oxytocinlevel während der Fellpflege wird nachgesagt, dass es dabei hilft, Beziehungen mit vielen Individuen über längere Zeit aufzubauen und zu erhalten.

Es scheint einen Anreiz zur Gegenseitigkeit zu geben, bei dem der Gepflegte zum Pfleger wird: Durch Beobachtungen wurde festgestellt, dass einige Tiere die Fellpflege bei anderen betreiben müssen, um selbst in den Genuss der Fellpflege zu kommen. Daneben bekommen die dominanten Tiere hierarchisch bedingt die größte Aufmerksamkeit.

Jungtiere entwickeln eine starke Bindung zu weiblichen Verwandten, die sich bis in das Erwachsenenalter hin behauptet. Die Fellpflege bedingt die Ausschüttung von Endorphinen, was Freude und Entspannung hervorruft. Ich habe einige Zeit damit verbracht, einem Muttertier bei der Fellpflege ihres Nachkommens zuzusehen. Anfangs habe ich erwartet, dass das Jungtier aufspringen und davonflitzen würde, um mit den anderen jungen Raufbolden zu spielen, die um uns herum rannten. Er schien die Massage jedoch durch und durch zu genießen.

„Fellpflege“ bei dem Menschen

Auch beim Menschen gibt es Fälle der gegenseitigen Pflege. Die „Fellpflege“ beim Menschen ist oftmals mit einer erhöhten Zufriedenheit in der Beziehung, mehr Vertrauen und der Erfahrung von Familienzuneigung in der Kindheit verbunden. Einvernehmliche Pfleger werden als verliebter wahrgenommen und sind sowohl ihren Eltern mehr verschrieben als auch selbst bessere Eltern. Gegenseitige Pflege spielt beim Menschen auch in der Paarbindung eine wichtige Rolle. Es könnte sogar gesagt werden, dass sich ganze Industrien durch die gegenseitige Pflege entwickelt haben. Dabei sind vor allem Friseure und persönliche Schneider ein gutes Beispiel.

Autor Originaltext: Pippa Orpen | Erstveröffentlichung: 21. Januar 2016

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