Patagonien: Abenteuer am Ende der Welt

Gäbe es so etwas wie ein Ende der Welt, dann läge es vermutlich in Patagonien. Das karge und einsame Land südlich der beiden Flüsse Rio Colorado in Argentinien und Rio Bio Bio in Chile gleicht der Landschaft eines fremden Planeten. Gigantische Bergketten, raue Felsküsten, steppenartige Hochebenen und majestätische Gletscher sind charakteristisch für dieses Gebiet, das mit ein bis zwei Einwohnern pro km² zu den am dünnsten besiedelten der Welt gehört.

Der argentinische Teil Patagoniens liegt östlich der Anden, in deren Regenschatten, wodurch hier ein überwiegend trockenes Klima vorherrscht. Der südlichste Teil Patagoniens unterliegt einem kaltgemäßigten Klima, wohingegen der zentrale und nördliche Teil eher kühlgemäßigt ist.

Geographisch lässt sich Patagonien nur schwer eingrenzen. Allgemein umfasst es die südlichen Teile Argentiniens und Chiles, doch auch darüber herrscht Uneinigkeit. So wird je nach Definition das südlich der Magellanstraße gelegene Feuerland, eine Inselgruppe an der Südspitze des südamerikanischen Kontinents, manchmal zu Patagonien gezählt und manchmal als unabhängige Inselgruppe betrachtet.

Patagonien besticht durch eine einzigartige Tierwelt. Vor allem Nandus, Guanakos aus der Gattung der Lamas und der prächtige Andenkondor gehören zu den charakteristischen Bewohnern der weiten Landschaft. Seit der spanischen Conquista in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kommt vor allem in der Pampa auch vermehrt verwildertes Weidevieh wie Rinder und Pferde in Patagonien vor. In den kaltgemäßigten Zonen im Süden Patagoniens und auf Feuerland leben zudem Kolonien von Magellanpinguinen, Seebären und Mähnenrobben. Die Gewässer werden auf Grund ihres Nährstoffreichtums von verschiedenen Walarten besucht.

Die meisten Besucher Patagoniens lassen sich zwei besondere Orte in der Regel nicht entgehen: Den chilenischen Nationalpark Torres del Paine und den Nationalpark Los Glaciares auf argentinischer Seite. Letzterer wurde im Jahr 1981 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt und ist vor allem wegen der spektakulären Abbrüche des Perito-Moreno-Gletschers berühmt.

Patagonien gilt als Wanderparadies für alle Outdoor- und Trekking-Begeisterten. Die zum Großteil unerschlossene Landschaft bietet ideale Möglichkeiten, sich ganz auf sich selbst und die Natur zu besinnen. So kann es vorkommen, dass man tage- und wochenlang keinen anderen Menschen oder irgendwelchen Anzeichen von menschlicher Zivilisation begegnet.

Übrigens: Der Name Patagoniens geht vermutlich auf den portugiesischen Entdecker Ferdinand Magellan zurück, der den einheimischen Tehuelche-Indianern, denen er bei seiner Expedition im Jahr 1520 begegnete, auf Grund ihrer großen Statur den Namen patagones gab. Abgeleitet ist dieser Begriff vom Namen des Riesen Pathagón, einer Sagenfigur aus den Mitte des 16. Jahrhunderts bekannten Rittergeschichten Novelas de Caballería. Die wörtliche Übersetzung bedeutet „große Füße“.

Im Rahmen eines NATUCATE-Praktikums auf einer Pferderanch in den Weiten des patagonischen Andenvorlandes bietet sich eine hervorragende Möglichkeit, die Sehnsucht nach Ferne, eine fordernde und lehrreiche Aufgabe und die Begeisterung für die unberührte Natur zu verbinden.

Quelle: Klaus Bednarz: Am Ende der Welt – Eine Reise durch Feuerland und Patagonien. Reisebericht. Rowohlt, Berlin 2004

Autor: NATUCATE – David Pyka

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