Was Du über Freiwilligenarbeit mit Löwen wissen solltest

Löwenbabys ganz nahe kommen und nebenbei einen Beitrag zum Tierschutz leisten: So denken unzählige Touristen, die es jährlich nach Afrika verschlägt, um Freiwilligenarbeit in Löwenaufzuchtstationen zu verrichten.

Der von jenen Stationen weit verbreitete Glaube, die per Hand aufgezogenen Löwenbabys würden später ausgewildert werden, erweist sich jedoch als Mythos. Die Chancen, dass es tatsächlich zur Auswilderung kommt, gehen in Wirklichkeit gegen Null. Tatsächlich verbergen sich bittere Fakten hinter der Streichelfarmpraxis:

Störung der Instinktausbildung und des natürlichen Gleichgewichts

Die Angst vor dem Menschen ist für das Überleben in der Wildnis ein entscheidender Instinkt. Diesen und andere natürliche Instinkte können Löwenbabys nicht ausbilden, wenn sie bereits nach wenigen Tagen der Obhut ihrer Mutter entrissen und durch Handaufzucht und tägliche Betreuung an den Menschen gewöhnt werden. Des Weiteren werden Löwinnen durch die Streichelfarmindustrie in ihrem Reproduktionszyklus zurückgeworfen und dazu gebracht, zwei- bis dreimal jährlich zu werfen – in freier Wildbahn hingegen bekommen sie nur alle zwei Jahre Junge.

Löwenmütter und ihre Jungen haben eine sehr starke Bindung zueinander. Diese wird durch Handaufzucht schon früh zerstört, was bei Mutter und Jungtieren wiederum zu extremem Stress führt. In der freien Wildbahn bleiben junge Löwinnen in ihrem Rudel, vorausgesetzt, widrige Umstände zwingen das Rudel nicht dazu, sich aufzulösen und kleinere Gruppenverbände zu bilden. Löwenmännchen verbringen die ersten beiden Lebensjahre bei ihrer Mutter, bis ihre Väter sie als potenzielle Konkurrenten vertreiben.

Grausame Praktiken

Löwenbabys, die in Gefangenschaft aufwachsen, werden zu Spielzeugen unwissender Touristen und „Freiwilliger“. Diese ahnen nicht, dass die Löwenmutter sehr wahrscheinlich auf einem unzugänglichen Teil des Geländes verwahrlost. Wenn die Löwenmutter nicht mehr gebärfähig ist, verliert sie ihren Marktwert in der Streichelfarmindustrie und wird in den meisten Fällen eingeschläfert. Ihre Knochen werden häufig als „Heilmittel“ auf dem Schwarzmarkt oder nach China verkauft.

Sind die Löwen dem Alter der niedlichen und kuscheligen Löwenbabys entwachsen, werden sie für Spaziergänge, sogenannte lion walks, benutzt. Touristen dürfen dabei zusammen mit einem Tierbetreuer in einer als sicher deklarierten Umgebung mit dem Löwen spazieren gehen. Das Perfide dabei: Um kein Risiko einzugehen und die Raubtierinstinkte der Löwen auszuschalten, werden sie für diese Spaziergänge oftmals betäubt.

Die Überlebenschancen der in Gefangenschaft gezüchteten Löwen

Die in Gefangenschaft gezüchteten Löwen werden auf ethisch nicht vertretbare Weise in die Wildnis entlassen. Dort werden sie zum einen mit dem Problem konfrontiert, in einem Rudel akzeptiert zu werden, und zum anderen ohne kaum ausgeprägte Jagdfähigkeiten, selbstständig Nahrung zu beschaffen. Da sie aufgrund der frühen Trennung von der Mutter ihren natürlichen Jagdinstinkt nicht korrekt ausbilden konnten, sind die Überlebenschancen der frei gelassenen Löwen äußerst gering.

Falsche Argumente und dreiste Lügen

Wenn Streichelfarmen und Gatterjagdeinrichtungen behaupten, durch die Auswilderung einiger Löwen zur Arterhaltung beizutragen, so sind diese Behauptungen schlichtweg falsch und dienen einzig und allein dem Zweck, ihr schmutziges Geschäft weiter voranzutreiben.

Viele Einrichtungen werben mit dem Angebot „Freiwilligenarbeit mit Löwen“ und behaupten, zum Erhalt der Löwen beizutragen. Dabei führen sie als Argumente an, dass sie die Anzahl der Löwen in Gefangenschaft erhöhen und durch ihr Angebot die Nachfrage der Löwenjäger reduzieren. Diese Argumente sind inhaltlich falsch, denn die meisten Löwenjäger stammen aus der verarmten hiesigen Bevölkerung. Ihnen werden von Mittelsmännern großer Verbrechersyndikate aus Südostasien und China Hungerlöhne bezahlt. Diese Einheimischen können keinesfalls die Preise bezahlen, die auf den Homepages der Gatterjagdanbieter verlangt werden.

Dokumentarfilme wie z. B. Blood Lions zeigen diese und andere Lügen sehr deutlich auf und entlarven die Löwenaufzuchtindustrie und alle daran beteiligten Akteure.

NATUCATE sieht sich in einer besonderen Verantwortung bei der Auswahl der Projektpartner.

Als erster deutscher Anbieter wurden wir von der Organisation Campaign Against Canned Hunting (CACH) als ethische Vermittlungsstelle für Freiwilligenarbeit empfohlen. Als freiwilliger Helfer bei NATUCATE bekommst Du die Möglichkeit, gefährdete Arten zu überwachen und so einen konkreten Beitrag zu ihrem Schutz und Erhalt zu leisten.

Es liegt in Deiner Hand zu entscheiden, welcher Art von Volunteerprojekten Deine Mitwirkung zusteht. Hilf dabei, die Problematik der gezielten Aufzucht von Wildtieren für missbräuchliche Zwecke weiter in das Bewusstsein der Menschen zu rücken und unterstütze den Tier- und Artenschutz auf ethische und nachhaltige Weise. Nur so ist es möglich, diesem von Profitgier getriebenen Geschäft ein Ende zu bereiten.

Autor Originaltext: Sarah Kessler | Erstveröffentlichung: 21.08.2015

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