Die Rote Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten

Die Rote Liste wird seit 1963 von der Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature) zusammengestellt und beinhaltet ausgestorbene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Anhand einer Reihe von Kriterien, wie beispielsweise der Anzahl der fortpflanzungsfähigen Individuen, der Fortpflanzungs- und Rückgangsrate, oder dem Verbreitungsgebiet wird von Experten eine so genannte Aussterbewahrscheinlichkeit für einen zukünftigen Zeitraum geschätzt.

Die untersuchten Tier- und Pflanzenarten werden in neun verschiedene Kategorien eingeteilt:

EX – Extinct = Ausgestorben

EW – Extinct in the Wild = In freier Wildbahn ausgestorben

CR – Critically Endangered = Vom Aussterben bedroht

EN – Endangered = Stark gefährdet

VU – Vulnerable = Gefährdet

NT – Near Threatened = Gering gefärdet, Vorwarnliste

LC – Least Concern = Nicht gefährdet

DD – Data Deficient = Keine ausreichenden Daten

NE – Not Evaluated = Nicht bewertet

Welche Arten finden sich auf der Roten Liste?

Etwa zwei Millionen Tier- und Pflanzenarten wurden bisher dokumentiert. Das hört sich erstmal viel an, vergleicht man es jedoch mit den geschätzten fünf bis 30 Millionen Arten, die es insgesamt geben soll, sind die zwei Millionen doch nur ein Bruchteil davon. Die aktuellste Liste (Juli 2016) enthält über 800 seit 1500 n.Chr. ausgestorbene Arten – 813 davon komplett ausgestorben, während 65 noch in Zoos oder botanischen Gärten existent sind. Vermutlich sind diese Zahlen in Wahrheit noch viel höher, bedenkt man die ‚geringe‘ Zahl der bisher beschriebenen Arten.

Etwa vier Prozent, also 73.600 Tier- und Pflanzenarten wurden bisher von der IUCN bewertet und in eine der neun Kategorien eingeteilt. Davon sind 22.690 Arten bedroht, was im großen Ganzen bis jetzt nur etwa ein Prozent aller entdeckten Arten darstellt. Hochgerechnet wären die Zahlen natürlich wieder um einiges höher.

Die IUCN hat beinahe alle bekannten Säugetier-, Vogel- und Amphibienarten ausgewertet, sodass sich hier Genaueres sagen lässt: jede fünfte Säugetierart, jede achte Vogelart und jede dritte Amphibienart ist bedroht. Bei den bisher untersuchten Pflanzenarten sind es sogar 60 Prozent.

Welche Ursachen und Folgen hat das Aussterben einer Art?

Die Ursachen für das Aussterben einer Art können ganz unterschiedlich sein. Manche Arten gibt es allgemein nur selten, da sie z.B. nur in einem bestimmten Gebiet vorkommen, wie etwa der Kiwi in Neuseeland, oder da sie sich nur sehr langsam fortpflanzen können, wie etwa der Walhai. Doch auch der Mensch hat Einfluss auf die Population bestimmter Arten. Beispielsweise durch Umweltverschmutzung oder die Zerstörung von Lebensraum sorgt der Mensch für einen Rückgang oder gar die Ausrottung gewisser Arten.

Das Ökosystem ist ein Netzwerk, dessen Funktionen und Abläufe ineinandergreifen und aufeinander basieren. Das Aussterben einer Art hat also auch unmittelbare Auswirkungen auf andere Arten und kann z.B. eine Überpopulation oder ebenfalls ein Aussterben einer anderen Art hervorrufen. Selbstverständlich ist auch der Mensch in dieses ökologische Netzwerk involviert, sodass auch uns das Aussterben einer Art direkt oder indirekt betreffen kann. Denkt man z.B. an das vielbesprochene Thema des Bienensterbens und die Folgen, die dies nicht nur für die Natur, sondern auch für uns haben kann, wird es besonders deutlich, wie stark uns ein Aussterben treffen kann. Ein Bienensterben hätte massive Auswirkungen auf unsere Ernährung: es käme zu einem Ernterückgang, vor allem bei Obst und Gemüse, wodurch auch wirtschaftliche Folgen nicht auszuschließen wären.

Was bringt die Rote Liste?

Die Rote Liste zeigt auf welche Arten wie stark bedroht sind und auch welchem Trend sie in Zukunft unterliegen. So kann ein besseres Augenmerk auf diese Arten gelegt und aktiv für ihren Schutz und den Schutz ihres Lebensraums gearbeitet werden, um einem endgültigen Aussterben entgegenzuwirken.

Welche bedrohten Arten unterstützt NATUCATE?

In vielen unserer Projekte setzen wir uns für bedrohte Tierarten ein und versuchen so mit Eurer Hilfe ein Aussterben zu verhindern. Einige dieser Arten könnt Ihr hier genauer kennenlernen.

Walhai (Rhincodon typus)

Der Walhai ist der Kategorie EN zugeordnet, ist also stark gefährdet. Sein Verbreitungsgebiet ist vor allem in warmen und tropischen Gewässern, an manchen Orten findet man ihn jedoch auch gehäuft, so z.B. bei den Malediven. Bedrohungen des Walhais sind vor allem der Fischerei geschuldet. Die Tiere werden entweder gezielt gefangen oder landen als Beifang im Netz. Auch Verletzungen durch das Streifen eines Schiffes tragen zur Bedrohung bei. In den Jahren 2000 und 2005 waren Walhaie noch der Kategorie VU, also gefährdet zugeordnet. Ohne weiteren Artenschutz wird davon ausgegangen, dass die Population des Walhais weiterhin sinkt.

Wüstenelefant/Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana)

Der Wüstenelefant gehört zur Art des Afrikanischen Elefants, der im Gegensatz zu den eigentlichen Elefanten in der Wüste lebt und sich an diese Umgebung angepasst hat. Auf der Roten Liste des IUCN sind sie der Kategorie VU, also gefährdet, zugeordnet. Elfenbeinjagd war früher eine starke Bedrohung für die Elefanten. Die illegale Jagd ist auch immer noch ein großes Thema, jedoch ist die mittlerweile größte Bedrohung der Verlust des natürlichen Lebensraums, verursacht durch die Ausbreitung des Menschen. Seitdem der afrikanische Elefant im Jahr 1996 noch als stark gefährdet eingestuft war, hat sich die Population wieder etwas gebessert. Auch der Trend für die Zukunft scheint vielversprechend und besagt eine steigende Population.

Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas)

Die Grüne Meeresschildkröte, auch Suppenschildkröte genannt, ist eine der bekanntesten Arten der Meeresschildkröten und vor allem in tropischen und subtropischen Meeren beheimatet. Sie gilt laut der IUCN als stark gefährdet (EN), was vor allem dem Menschen geschuldet ist. Tatsächlich sind alle Meeresschildkrötenarten in jeder Altersstufe menschlichem Einfluss ausgesetzt: das Fangen von Eiern, von erwachsenen Schildkröten an Niststränden oder von jungen und erwachsenen Tieren auf Futtersuche ist leider in vielen Ländern weiterhin legal. Auch Bedrohungen wie Beifang, Lebensraumverkleinerung oder Krankheiten sorgen für ihren Status als bedrohte Tierart. Der Trend für die Zukunft der Grünen Meeresschildkröte sieht auch weiterhin eine abfallende Population.

Afrikanischer Wildhund (Lycaon pictus)

Der Afrikanische Wildhund ist ein in der afrikanischen Savanne beheimatetes Rudeltier und ist als stark gefährdet (EN) eingestuft. Geschuldet ist dies vor allem der Lebensraumfragmentierung, durch welche der Kontakt zu Menschen und domestizierten Tieren erhöht und ein so genannter „Human-Wildlife-Konflikt“ ausgelöst wird. Auch Krankheiten werden so schneller übertragen. Der momentane Trend weist auch weiterhin eine sinkende Population auf.

Quellen:

- Hintergrundinformationen Rote Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten. WWF.

http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Hintergrundinformation-Rote-Liste-IUCN-und-Deutschland.pdf

- The IUCN Red List of Threatened Species.

http://www.iucnredlist.org/

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