Bedrohte Geier

Bedrohte Geier

In Südafrika sind neun Geierarten beheimatet, von denen inzwischen sieben in Südafrika, Lesotho und Swasiland auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehen. Bedroht durch die fortschreitende Zivilisation und dem damit einhergehenden Bau von Hindernissen sowie dem Verlust von Habitaten sinkt ihre Zahl stetig weiter ab. In vielen Fällen brüten die Tiere nur noch in Schutzgebieten, da sie außerhalb der Gebiete keine geeigneten Bäume mehr finden, die Nahrung zu knapp ist oder sie während der Brut gestört werden.

Eine weitere Bedrohung ist die immer häufiger werdende Vergiftung der Tiere durch Kadaver, die mit Pestiziden oder Pflanzenschutzmitteln, wie beispielsweise Temik (Wirkstoff Aldicarb) und z.T. auch Curaterr (Carbofuran) präpariert wurden. Primäre Zielgruppe für das präparierte Aas, das oftmals von Landwirten ausgelegt wird, sind in vielen Fällen Raubtiere wie der Löwe, vor denen sie ihr Vieh zu schützen versuchen. Auf offenen Flächen ausgelegt, sind diese Kadaver jedoch auch ein gefundenes Fressen für Geier, die auf der Suche nach Nahrung bis zu 100 km am Tag zurücklegen. Diese Substanzen wirken sich in der Regel bereits in sehr kleiner Dosis negativ aus und viele Tiere sterben innerhalb weniger Stunden an den Folgen der Vergiftung. Seit dem Jahr 2001 sind bereits um die 70% der brütenden Paare verschwunden, wobei ein direkter Zusammenhang mit der vermehrten Vergiftung der Tiere hergestellt werden kann.

Nicht nur die Vergiftung als solche ist dem Fortbestand der Arten abträglich, sondern auch die Tatsache, dass die vergifteten Tiere in vielen Fällen auf der Suche nach Nahrung ihre Jungtiere in den Nestern zurückgelassen haben. In den Zeitraum zwischen April und Dezember fällt die Brutzeit der Geier, in der bereits der Verlust eines Elternteils dazu führen kann, dass der Jungvogel nicht überlebt. Hinzu kommt, dass die Weibchen in der Regel oftmals nur ein Ei alle ein bis zwei Jahre legen und die Brut in etwa der Hälfte der Fälle bereits durch natürliche Gegebenheiten nicht erfolgreich ist. Hat ein Jungtier es dennoch geschafft, beginnen die Vögel erst nach etwa fünf bis sechs Jahren mit der eigenen Brut. Darüber hinaus wird vermutet, dass sich die Tiere, selbst nachdem sie flügge sind, noch immer an ihren Eltern orientieren und daher weiterhin in einer gewissen Form von ihnen abhängig sind.

Um den Fortbestand der Tiere zu unterstützen und zu sichern, werden junge und alte Tiere beringt oder mit gelben Marken zur Identifizierung markiert. Zudem werden sie mit GPS-Geräten ausgestattet, um mehr über ihre Flugrouten auf der Nahrungssuche herauszufinden, ihre Raststätten zu lokalisieren und ihre täglichen Gewohnheiten zu studieren. Darüber hinaus gibt es Programme, in denen ein Bewusstsein für die Problematik vermittelt wird und lokalen Landwirten und Gemeinden in den verschiedenen Regionen Schulungen zu diesem Thema angeboten werden.

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